70 II. Elementarlehre. kowski ergibt, wobei zugleich die Zeit sich ganz nach Art einer vierten Dimension zu den dreien des Raumes rechnerisch ausdrückt. Sofern den idealen absoluten Be- stimmungen der Mechanik Newtons eine unmittelbar physi- kalische Bedeutung vielfach fälschlich beigemessen worden war, wird dieser Irrtum durch die Relativitätstheorie end- gültig berichtigt. Doch muß sie sich dabei hüten selbst in einen neuen Absolutismus zu verfallen, wie es geschehen würde, wenn sie die Lichtgeschwindigkeit als nicht bloß empirisch sondern absolut letzten Faktor ansähe. Es ist die Möglichkeit durchaus nicht a priori auszuschließen, daß auch diese zufällige Schranke unserer Empirie einmal über- wunden würde; womit freilich nicht die Beschränkung, die aller Empirie als solcher notwendig anhaftet, überhaupt aufgehoben, sondern die Schranke nur eine Stufe weiter zurückgeschoben wäre. Somit bestätigt diese Betrachtung gerade die von Newton aufgestellte, von Kant schärfer bestimmte und strenger eingehaltene Unterscheidung der reinen von den empirischen Bestimmungen der Zeit, des Raumes und damit der Bewegung. Die Einheit des Naturerkennens wird dadurch übrigens nicht durchbrochen; denn jene Forschungen haben gerade die „Invarianz“ der Natur- gesetze allen jenen „Transformationen“ gegenüber erwiesen, deren die Grundvoraussetzungen der empirischen Zeit- und Raumbestimmung fähig sind. Eine absolute Eindeutigkeit dieser Bestimmungen ist nicht möglich, aber auch nicht er- forderlich; den Bedingungen „möglicher Erfahrung“ genügt eine solche Eindeutigkeit, welche die Aufstellung von Natur- gesetzen ermöglicht; diese besteht aber auch nach den Voraussetzungen des „Relativitätsprinzips.“