I. Einleitung. 5 § 3. Formelemente der Erkenntnis. Die ganze Arbeit der Erkenntnis besteht in Denken. Das Denken vollzieht sieh in Aussagen. Also muß in der allgemeinen Form der Aussage die allgemeine Form der Erkenntnis sich irgendwie ausdrüoken. Die allgemeine Form der Aussage ist die Scheidung und zugleich Ver- bindung von Subjekt und Prädikat durch die Kopula. Das Subjekt bezeichnet das zu Bestimmende, das Prädikat die Bestimmung ihrem Inhalt nach, die Kopula den Vollzug der Bestimmung oder die Setzung des Prädikats in Beziehung auf das Subjekt. Diese Grundform der Aussage nun ist allein verständlich im Hinblick auf den Stufengang der Erkenntnis: für sie ist das Subjekt allemal ein in fraglicher Rücksicht noch nicht Bestimmtes, und kommt die Bestimmung als etwas Neues erst hinzu; das „ist“ der Kopula besagt: es wird erkannt als das und das. Aber auch die Grundprädikationen selbst sind eigene Schöpfungen der Erkenntnis und aus der eigenen Gesetzlichkeit des Erkenntnisprozesses allein zu verstehen. So 1. die numerische Einheit, die unbestimmte Mehrheit und die bestimmte Zahl. Was als numerisch Eines aufzufassen sei, ist nicht durch das Gegebene schlecht- weg, sondern durch den Gesichtspunkt unseres Denkens bestimmt; ebenso die Verbindung der Einzelnen in einer Reihe, die Zählung. Die ganze Akzentuierung und Diskretion, welche die Voraussetzung der Zählung bildet, ist nicht ge- geben, sondern Leistung der Erkenntnis. Vollends existiert 2. die Größe des Stetigen nur kraft der Vergleichung. Erst die Gleichung Ax — A2 = A3 = ... ermöglicht es, A als be- stimmte Grösse zu denken. Nur durch Zählung und Messung ist 3. die zeitliche, 4. die räumliche Bestimmung möglich, für die daher das Gesagte gleichfalls gilt. Aber auch 5. die Qualität des Sinnlichen ist nur einer ebensolchen ver- gleichenden Bestimmung wie die Größe fähig. Die quanti- tative wie qualitative Bestimmung des Sinnlichen bleibt überdies ihrer Natur nach immer fließend, denn in jeder sinnlichen Reihe (z. B. Ton- oder Farbenreihe) kann der Abstand der Glieder so klein genommen werden, daß jedes vom nächstfolgenden sinnlich ununterscheidbar, vom zweit- oder drittfolgenden u. s. w. dagegen unterscheidbar ist. Die Natur des Sinnlichen schließt also eine Bestimmtheit, wie