An andern Orten ist die lebendige Kraft des reli- giösen Gefühls nicht weniger offenbar. Wie früher sucht es seine Form: sie muss frei, rein und veredelt sein, und wie früher stösst es die Priester der Kybele, seine zudringlichsten Gegner und gefährlichsten Fein- de, zurück, weil ihr Geschrei es belästigt, ihre Dro- hungen es empören und ihre Nörgeleien es ermüden. Überlassen wir die Religion sich selber! Ständig in Entwicklung begriffen und ständig auf der Höhe der Zeit, wird sie gleichzeitig mit den Gedanken vorwärtsschreiten, sich mit der Erkenntnis klären, mit der Sittlichkeit läutern und in jedem Zeitab- schnitt das Beste anerkennen. Fordern wir immer und immer wieder Religionsfreiheit! Sie wird die Re- ligion mit einer unüberwindlichen Kraft umgeben und ihre Vervollkommnungsfähigkeit gewährleisten. So verstand es der göttliche Schöpfer unseres Glau- bens, als er die Pharisäer und Schriftgelehrten de- mütigte und für alle Menschen Barmherzigkeit, Er- leuchtung und Freiheit forderte.