einem gewissen Zauber umwoben wäre, der sie als ehrwürdig erscheinen lässt. Das schadet jedoch mit nichten der Göttlichkeit der Religion, oder besser gesagt des innigen Gefühls, auf welchem die religiösen Überzeugungen beruhen. Je mehr man an die Güte und Gerechtigkeit einer Vorsehung glaubt, die den Menschen geschaffen hat und die ihm als Führer dient, desto natürlicher ist die Erkenntnis, dass diese wohltätige Vorsehung ihre Lehren nach der Grösse des Verständnisses bemisst, für welches sie bestimmt sind. Dazu ist noch mehr zu sagen. Eine solche Auf- fassung allein bringt die Gedanken, welche sich die religiösen Menschen von dieser Vorsehung machen, mit der Natur des menschlichen Geistes zum Über- einstimmen. Es wird niemand leugnen können, dass der menschliche Geist einen unüberwindlichen Hang zum Forschen und Prüfen habe. Wenn seine gebie- terischste Pflicht, wenn sein grösstes Verdienst ein blinder Glaube wäre, weshalb hätte ihm denn der Himmel eine Fähigkeit geschenkt, die er nicht nützen, weshalb hätte er ihn einem Bedürfnis unterworfen, das er nicht befriedigen könnte, ohne schuldig zu werden? Etwa um von ihm den vollständigen Ver- zicht auf diese Fähigkeit zu fordern? Dieser Ver- zicht würde ihn doch auf die Stufe einer blossen Maschine hinunterdrücken, was so viel wie Selbst- mord wäre. Der Gott, der ihn dem Menschen auf- erlegen würde, gliche eher dem Amida jener Götzen- diener, die sich von dem sein Standbild tragenden Wagen überfahren Hessen, als dem reinen und wohl-