Wenn man festlegt, dass die Volkssouveränität unbeschränkt sei, so wirft man in die menschliche Gesellschaft aufs Geratewohl eine Machtfülle, die einfach zu gross und die ein Übel ist, in welche Hände man sie auch lege. Überträgt man sie einem Einzigen, mehreren, allen, stets wird man sie als ein Übel empfinden. Man wird die Machthaber be- schuldigen und, je nach Umständen, der Reihe nach die Monarchie, die Aristokratie, die Demokratie, die gemischten Regierungen und das Repräsentativsy- stem anklagen. Und zwar zu Unrecht; denn man muss der Fülle der Macht und nicht deren Inhabern die Schuld beimessen, man muss die Waffe und nicht den Arm bekämpfen. Es gibt Keulen, die für Men- schenhände zu schwer sind. Der Irrtum derjenigen, die in aufrichtiger Frei- heitsliebe der Volkssouveränität eine unbeschränkte Gewalt einräumten, rührte von der Art her, wie sich ihre persönlichen Anschauungen gebildet hatten. Aus der Geschichte war ihnen bekannt, dass eine kleine Zahl von Männern, oder sogar ein Einziger, eine un- ermessliche Macht besassen, welche viel Böses tat; ihr Zorn richtete sich jedoch gegen die Besitzer der Macht und nicht gegen die Macht selber. Statt sie zu vernichten, waren sie bloss darauf bedacht, sie zu verlagern. Sie betrachteten sie als eine Eroberung; in Wirklichkeit war sie eine Landplage. Sie statteten die ganze Gesellschaft damit aus. Von ihr ging die Macht notwendigerweise auf die Mehrheit über, von der Mehrheit in die Hände einiger weniger Män- ner, oft in die Hand eines Einzigen: sie richtete eben- 62