100 Fünfter Abschnitt. Eröffnung eines neuen Wirkungskreises für Wilhelm nach Beseitigung des Planes seiner Absetzung. Die Jahre 1255 und 1256. 1. Folgen des Todes Konrad IV. für Wilhelms Königtum. Während der Kämpfe mit Friesland und Flandern im Sommer des Jahres 1254 hatten sich die deutschen Verhält¬ nisse wesentlich geändert. Am 20. Mai d. J. war nemlich König Konrad IV., welcher dem König Wilhelm bisher in Deutschland noch immer die allgemeine Anerkennung streitig gemacht hatte, zu Lavello bei Melli in Apulien, 26 Jahr alt gestorben1). Indem die staufische Partei dadurch ihren Führer verlor, wurde in Deutschland ein grosser Teil ihrer Anhänger veranlasst, den Widerstand gegen König Wilhelm aulzugeben. Bisher hatte noch immer der grösste Teil der Reichsstädte, besonders in den mittelrheinischen Gegenden in unverbrüchlicher Treue an dem rechtmässigen Herrscherhaus gehangen. Vergebens hatte ja Wilhelm manche derselben belagert, aber nur geringe Erfolge aufzuweisen. Frei¬ willig erboten sie sich jetzt, nach dem Tode Konrads, zu Wil¬ helms Anerkennung, welche ihnen ja nur Vorteile gewähren konnte. Die welterauischen Städte Frankfurt und Gelnhausen beeilten sich zuerst, ihre Versöhnung mit dem König zu bewerk¬ stelligen, und dieser nahm sie gern an, da es für ihn ebenfalls ein grosser Vorteil war, jene so oft bestürmten Orte sich auf diese leichte Weise zu Freunden machen zu können. Kaum war er also aus dem Feldzuge gegen Karl von Anjou nach Leyden zurückgekehrt, ajs eine Gesandtschaft zu ihm kam, um ihm im Namen jener beiden Städte zu huldigen. Am 9., 10. 1) Böhmer, Heg. 1198—1254, S. 273.