94 welche Lehnsleute der Grafschaft waren, auf, dem Grafen von Anjou als ihrem neuen Lehnsherrn zu huldigen •). Bischof Heinrich von Lüttich aber war durchaus nicht geneigt, auf die Wünsche der Gräfin einzugehen; denn schon im Jahre 1247 hatte er Johann von Avennes als Lehnsmann der Grafschaft angenommen1 2) und hatte seitdem immer auf Seiten König Wil¬ helms und der Avennes gestanden. Daher benachrichtigte er jetzt den König von der Handlungsweise der Gräfin. Um die Milte des Monats Febr. 1254 versammelten sich infolge dessen zu Mecheln, einer Stadt, welche, zum Bistum Lüttich gehörend, aber rings von brabantischem Gebiet umgeben, nördlich von Brüssel lag, um König Wilhelm die am Streite mit Flandern betei¬ ligten geistlichen und weltlichen Herren, besonders der Bischof von Lüttich, die Grafen Johann von Avennes, Otto von Geldern, Heinrich von Luxemburg, Arnold von Los und Ligny3). Hier zeigte Bischof Heinrich jenen Brief der Gräfin von Flandern, worin sie ihm die Übertragung der Grafschaft Hennegau an den Grafen von Anjou gemeldet batte. Dieser Brief war ja gewis- sermassen der Fehdebrief gegen Johann von Avenes und den König und rief bei ihren Anhängern die grösste Entrüstung hervor. Am 13. Febr. wurde hier der Bechtsspruch gefällt, dass die Gräfin Margaretha der Grafschaft Hennegau verlustig sei, und die Insassen der Grafschaft Johann von Avennes als ihrem Nachfolger huldigen sollten4). Der Bischof von Lüttich übertrug ihm Hennegau als Lehen und befahl am 15. Febr. allen Angehörigen jenes Landes, ihn als Herrn anzuerkennen und ihm zu huldigen5). Noch an demselben Tage bestätigte der König den Rechtsspruch und den Befehl des Bischofs6). Ausserdem wurde der Graf von Luxemburg noch besonders dadurch zu Wilhelms Freund gemacht, dass Johann von Avennes 1) Marlene, Thesaurus anecd. I, 1054. 2) Urkunden hei Guise XV, S. 16. 3) Zeugenreihe in der Urkunde des Bischofs Heinrich bei Sloet, Oorkondenboek der Grafsch. Gelre en Zutfen II, nr. 747. Reg. Wilh. 208. 4) Reg. 208. 5) Kluit, Ilistoria critica coinitatus Ilollandiae el Zeclandiae II, S. 644, nr. 199. 6) Reg. 208.