69 sehen davon, dass die braunschweigischen Herzoge selbst eine ziemlich hervorragende Stellung in Norddeutschland einnahmen, so liess besonders die Verwandtschaft derselben mit den mäch¬ tigsten Fürstenhäusern jener Gegenden ») die Hoffnung auf- kommen, dass auch diese den König jetzt anerkennen würden, zumal Kaiser Friedrich II. gestorben und König Konrad IV. nach Italien gezogen war. Auch hierin hatte sich die päpst¬ liche Partei nicht getäuscht. I)a schon die Anwesenheit Wilhelms in jenen Gegenden zwischen Weser und Elbe, welche seit vielen Jahren keinen König gesehen hatten, einen grossen Einfluss ausüben musste, zumal er jetzt als rechtmässiger Herrscher angesehen werden konnte, nachdem König Konrad durch das Verlassen Deutsch¬ lands eine Vernachlässigung dieses Reiches gegenüber Italien geoffenbart hatte, so machte sich König Wilhelm ¡in Jan. des Jahres 1252 in Begleitung des päpstlichen Legaten Hugo, des neu erwählten Erzbischofs Gerhard von Mainz und einiger Abte und kleinerer Herren4) von Köln aus nach Braunschweig auf. Über das Kloster Helmarshausen3), am Einfluss der Die- mel in die Weser gelegen, kam er am 24. (oder 25.) Jan.4) in der Residenz des Herzogs Otto an. Mit grosser Pracht wurde hier am Tage des Festes Pauli Bekehrung (25. Jan.) die Hochzeit gefeiert5). Aber in der Nacht 1) Herzog Otto selbst war durch seine Gemahlin Mathilde der Schwiegersohn des Markgrafen Albrecht von Brandenburg. Von seinen Töchtern hatte Helene nach dem Tode ihres ersten Gemahls, des Land¬ grafen Hermann von Thüringen, den Herzog Albrecht von Sachsen ge¬ heiratet; Mathilde war die Gemahlin des Grafen Heinrich von Anhalt, und Agnes die des Fürsten Wenzel von Rügen geworden. Havemann, Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg I, 380. 381. 2) Zeugenreihe in Reg. 123; Chron. Erf. SS. XVI, 38. 3) 1252, Jan. 9. urkundet Wilhelm noch zu Köln, Jan. 23. zu Hel¬ marshausen. 4) Falsch ist die Behauptung Dürrc’s in seiner Geschichte der Stadt Braunschweig im Mittelalter, dass Wilhelm sich schon im Jahre 1251 in Braunschweig aufgehalten habe, ln Böhmers Regesten, die er als Beleg anführt, ist die erste zu Braunschweig ausgestellte Urkunde "Wilhelms vom 26. Jan. 1252 (Reg. 117) datiert. 5) Chron. Erf. SS. XVI, 38 und Braunschweiger Reimchronik in: Deutsche Chroniken II, 555.