43 mund ein rechtes Beispiel für Wilhelms Stellung im Reiche. Freiwillig wird er anerkannt — mit Gewalt vermag er nur selten etwas auszurichten — er muss sogar, um die Anerkennung zu erlangen, noch Zugeständnisse machen und mit jedem dieser zugestandenen Privilegien gibt er einen Teil seiner königlichen Rechte und Einkünfte hin. So kam es, dass er zuletzt nichts mehr zu vergeben hatte für die Gewinnung neuer und die Er¬ haltung alter Anhänger: ja so weit, dass er seinen Anhängern Versprechungen machen musste mit Ortschaften und Einkünften, welche er selbst noch nicht einmal in seiner Gewalt hatte. Grade die nächsten drei Jahre gewähren ein trauriges Bild der Regierung König Wilhelms. Seine eigene Machtlosigkeit ver¬ hindert ihn überall, kraftvoll etwas zu unternehmen. Bald belagert er Reichsstädte am Niederrhein, um durch ihre Eroberung seine Mittel zu mehren, bald zieht er gegen seinen Gegner, König Konrad selbst, dann wird er wiederum durch flandrische An¬ gelegenheiten ganz von Deutschland abgezogen. Aber selten sind seine Unternehmungen von Erfolg gekrönt, und wo ihm etwas gelingt, da gelingt es nur durch die Mittel der Kirche und ihrer Anhänger. Der König selbst dagegen — das sieht man deutlich aus den Quellen — besass Math und Thalkraft genug, so dass er mit mehr Hausmacht wohl etwas erreicht haben würde. Der Wunsch, Albertus Magnus1), welcher schon damals eine grosse Berühmtheit erlangt hatte, zu sehen und zu hören, rief den König im Anfang Januar 1249 nach Köln. Albert stammte aus einer schwäbischen Ritterfamilie, hatte beson¬ ders zu Padua theologische, juristische und naturwissenschaft- liche Studien gemacht und war 1222 oder 23 ungefähr 30 Jahr alt2) in den jüngst gegründeten Orden der Predigermönche getreten und nach längerem Aufenthalt in Paris Vorsteher der gelehrten Schule dieses Ordens zu Köln geworden. Am 15. August 1248 halte er wahrscheinlich der Grundsteinlegung 1) Vgl. die neueste Schrift über ihn von Hertling, Albertus Magnus, Köln 1880. Eine Festschrift zur Feier des 600-jährigen Gedächtnis- lages Alberls d. Gr. (f 1280, nov. 15.). 2) Hertling S. 5. fl#