Motivrepertoire, einigermaßen klar fassbar: Der Herpin-Zeichner hat Motive aus den Sammlungen der Nürnberger Wolgemut-Werkstatt, der Werkstatt Wolfgang Beurers und deren künsderischem Umkreis verarbeitet. Motivische Bezüge zu Beurer und zur Nürn¬ berger Malerei könnten auf Erfahrungen während der Wanderschaft deuten, wenn der Zeichner nicht gar als Mitarbeiter Zugang zu den werkstattinternen Motivvorlagen Wolf¬ gang Beurers wie auch Michael Wolgemuts hatte. Elemente der mittelrheinischen Kunst scheinen indirekt über die zahlreichen Kupferstiche vermittelt worden zu sein, die in den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts von Künstlern dieser Generation reflektiert und in neuen Abwandlungen wiederverwendet wurden. 7.6. Die Nachfolge des Herpin-Meisters Dem Zeichenstil des Herpin-Meisters stehen zwei, einem Franz Haslbäck 2^ zugeschrie¬ bene Blättern aus der Graphischen Sammlung in Stuttgart2i’ und der Anhai tischen Ge¬ mäldegalerie in Dessau 2 stilistisch auffallend nahe. Die Stuttgarter Zeichnung zeigt eine Kreuzigung und die Dessauer Christus am Ölberg, die beide mit dem Namen Franz Hasl- bäck und dem Datum 1497 versehen wurden. 2S Die nahezu gleichen Abmessungen 2,) las¬ sen darauf schließen, dass die Blätter Vorarbeiten zu einer Christuspassion sind. Für die Planung eines Altares müsste die Ölbergszene als Seitenflügel schmäler bemessen sein. 311 Das durch rote Tinte gekennzeichnete Inkarnat auf beiden Blättern verweist nach Hein¬ rich Geissler und Hans Martin Kaulbach entweder auf vorbereitende Skizzen für Schnitz¬ arbeiten oder für eine Altartafel in Grisaille-Technik mit farbig gehöhten Hauttönen. Guido Messling weist daraufhin, dass in fränkischen Zeichnungen das Inkarnat häufig farbig getönt wurde, teilweise sind die Skizzen auf rot getöntem Papier gezeichnet wor¬ den. 1 Bisweilen sind diese beiden Zeichnungen die einzigen diesem Künstler zuzuschrei¬ 725 Vgl. zur Person Thieme/BeCKER, Bd. XVI, S. 104f. 726 Inv.Nr. C 2; braune und rote Federzeichnung mit Lavierungen in Hellbraun und Zartrosa. Vgl. hierzu Mus.Kat. Zeichnungen Stuttgart, Kat.Nr. 24, S. 43f.; Ausst.Kat. Zeichnungen Stuttgart, Kat.Nr. 7, S. 15. 727 Inv.Nr. B 1/16; braune und rote Tinte sowie hellbraune Lavierungen (MUS.KAT. HANDZEICHNUNGEN Dessau, Kat.Nr. 34, S. 92-94). 728 Auf der Stuttgarter Zeichnung wurde oben der Name „Franz Haslbägck“ und unten 1497 in verschiede¬ nen Tinten geschrieben. Auf der Dessauer ist der Name unterschiedlich geschrieben („Frantz Haslbegk“), sodass Hans Haslbeck, der zwar um 1480 in Nürnberg nachweisbar ist (AUSS.KAT. ZEICH¬ NUNGEN Stuttgart, Kat.Nr. 7, S. 15; Mus.Kat. Zeichnungen Stuttgart, Kat.Nr. 24, S. 44; MUS.KAT. HANDZEICHNUNGEN Dessau, Kat.Nr. 34, S. 94), nicht eindeutig als Zeichner der beiden Passionsszenen identifiziert werden kann. Hans Martin Kaulbach vermutet, dass die Namenseintragun¬ gen Besitzvermerke sind (MUS.KAT. ZEICHNUNGEN STUTTGART, Kat.Nr. 24, S. 44 sowie THIE- ME/BECKER XVI, S. 104f.). Haslbägck könnte auch für den Ortsname Halsbach stehen (NAGLER 21966, Nr. 2935, S. 1119). 729 Stuttgarter Blatt misst 261 x 167 mm und das Dessauer 246 x 171 mm. Hierzu AUSST.KAT. ZEICHNUN¬ GEN Stuttgart, Kat.Nr. 7, S. 15; Mus.Kat. Zeichnungen Stuttgart, Kat.Nr. 24, S. 43 und Mus.Kat. Handzeichnungen Dessau, Kat.Nr. 34, S. 92. 730 Ausst.Kat. Zeichnungen Stuttgart, Kat.Nr. 7, S. 15 und Mus.Kat. Zeichnungen Stuttgart, Kat.Nr. 24, S. 44. 731 Mus.Kat. Zeichnungen Stuttgart, S. 92-94; sowie einige Zeichnungen aus Erlangen: Mus.Kat. 156