Die Nachtwäsche besteht aus dem so genannten Taghemd und einer Nachthaube, die die Haare beim Schlafen schützen soll (Abb. 14, 37, 48).4,11 In den Zeichnungen sind auch die so genannten Frauenschauben dargestellt.4,1 Hierbei handelt es sich um ein hochge¬ schlossenes Gewand mit weiten Ärmeln, dessen Unterkleid mit einem niedrigen Kragen eng am Hals abschließt (vgl. Abb. 67f. und 70).49“ Die Reisekleidung der Frauen besteht aus einem kurzen Tasselumhang und einer Reisegugel, die über einen Mundschutz gegen den Straßenstaub verfügt (vgl. Clarissa, Abb. 49f., 52 und Weckholder, Abb. 61).4)3 Die Frauenbekleidung in der Handschrift weicht lediglich in einigen modischen Details voneinander ab oder in den verschiedenen Formen der Hauben. In den gesamten Illustra¬ tionen der Historie um Herzog Herpin fallen bei den Frauenfiguren unterschiedliche Haarhauben auf. Das so genannte Gebende, mit oder ohne seitlich herabfallendem Kinn¬ band, erscheint in einigen Zeichnungen: Die beiden vorderen Wünschelfrauen tragen eine solche Haube (Abb. 5) und eine der Frauen in Florenz (Abb. 24f.).4U Die Hörnerhaube mit und ohne Schleier, kostbaren Verzierungen oder Haarnetz441 (vgl. Abb. 1, 19, 27—30, 32-38, 41, 45-52, 54-56, 60-62, 67f., 70f, 82, 89f.) erscheint mit der Kugelhaube,490 496 498 die unterschiedlich verziert sein kann, am häufigsten in den Illustrationen (vgl. Abb. 2—4, 7, 14, 24f., 82, 85, 89). Eine hohe Haube, die mit Perlen reich verziert ist, trägt Adelheid vor dem König von Toledo (Abb. 14). Die sozial niedriger gestellten Frauen tragen einfache Hauben ohne Muster und Verzierungen (Abb. 24f., 82, 85 und 89). Wenn die Haare nicht unter einer Haube verborgen sind, tragen die unverheirateten Frauen im Herpin die Haare offen (vgl. Clarissa, Abb. 47f.),49 zu Hörnern frisiert in einem Netz, zwischen die teilweise ein das Gesicht verdeckender Schleier gesteckt ist (Florentine, Abb. 27—30, 32—38, 41, 45f.);4% oder sie können zu Schnecken an beiden Seiten der Ohren (Florie, Abb. 11—14)499 490 Seit dem 16. Jahrhundert sind Nachthemden für Frauen und Männer bezeugt. Zwar schlief man vor die¬ sem Jahrhundert vorwiegend nackt, doch wurden die Haare unter einer Nachthaube verborgen. Vgl. hierzu KÜHNEL 1992, S. 174f.; Zander-Seidel 1990, S. 97-99; BoEHN 1925, S. 178; LOSCHEK 520 05, S. 379f.; Praschl-Bichler 2011, S. 45f. 491 Auf den Abbildungen 76f. und 79. Vgl. hierzu LEHN ART 2005, S. 42. 492 POST 1928, Taf. 106 h1 mit Abb. 14. Vgl. allgemein zur Schaube: LOSCHEK 52005, S. 432. 493 Beispielsweise die Reisekleidung Clarissas oder Weckholders auf den Abbildungen 56—59 und 68. LO¬ SCHEK 520 05, S. 224 und KÜHNEL 1992, S. 207. 494 Das Gebende, das den Kopf, die Ohren und das Kinn mit einer weißen Binde bedeckt, war den verhei¬ rateten Frauen und bis in das 16. (ahrhundert hinein dem Kirchgang Vorbehalten: LOSCHEK 52005, S. 214; Nienholdt 1938, S. 69f.; KÜHNEL 1992, S. 87; ZANDER-SEIDEL 1990, S. 110-113; ZANDER- Seidel 2010, S. 38; Steinmann 1938, S. 837; Jeddig-Gesterling/Brutscher 1988, S. 59 sowie Praschl-Bichler 2011, S. 138f. 495 Loschen 52005, S. 264 und 274 (Huve); Thiel 1960, S. 114; Koch-Mertens 2000, S. 180; Rosen¬ feld 1978, S. 142; Steinmann 1938, S. 824; Kühnel 1992, S. 119; Hundsbichler 31986, S. 241; Frieling 2005, S. 324. 496 Seit dem 15. Jahrhundert auch mit Kinnbinde besonders beliebt in Süddeutschland: LOSCHEN 52005, S. 320 und 346; bei ZANDER-SEIDEL 1990 ist diese Haubenform als Steuchlein oder Wulsthaube be¬ zeichnet: S. 106-110 mit Abb. 54, 59, 73, 90 und 93; Zander-Seidel 1985, S. 132 mit Abb. 17. 497 BOEHN 1925, S. 194; RONSDORF 1933, S. 10; LOSCHEK 52005, S. 318; Koch-Mertens 2000, S. 177; Rosenfeld 1978, S. 141; Jeddig-Gesterling/Brutscher 1988, S. 59 und 62 sowie Praschl- Bichler 2011,S. 156f. 498 Jeddig-Gesterling/Brutscher 1988, S. 61. 118