mit Umschlag4*1 und einen spitzen Kinnbart, so wie alle Feinde und Heiden, die vor allem durch lange, dünne Haare, einen Spitzbart und markante Gesichtszüge zu identifizieren sind. Die Kleidung der weiblichen Hauptfigur Florentine wechselt auf besondere Weise: Zu¬ nächst trägt sie die typische höfische Frauenkleidung, dann kostümiert sie sich als Mann, um aus ihrer Gefangenschaft fliehen zu können.482 Die übliche höfische Bekleidung für adlige Frauen war ein langärmliges Kleid mit eng anliegendem Oberteil48' und stoffrei¬ chem Rock (Abb. 1, 32 und 45). Die tiefen Ausschnitte laufen breit von den Schultern dreieckig zu, das Verrutschen verhindert eine über dem Brustansatz befindliche Schnü¬ rung,484 unter der das Hemd sichtbar wird. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts trugen die Frauen unter ihrem tiefen Dekollete eine Gorge, ein Brusttüchlein, das häufig aus Seide und bordiert war.48" Die engen Ärmel sind meist geschlitzt und geschnürt oder an der Schulter gepufft. Die Kleider der adligen Frauen enden vielfach in Schleppen,486 die vor¬ wiegend von Kammerzofen getragen wurden. Von den Schnabelschuhen sind häufig nur die Spitzen zu sehen, die unter den Rocksäumen hervorschauen.48 Kleider mit engen Oberteilen, dreieckigem Ausschnitt und weitem Rock trägt beispielsweise auch die vorde¬ re Dame auf dem Druckstock für die Terenzausgabe und die Frau auf Dürers Federzeich¬ nung,488 deren Ärmel zusätzlich mit Glöckchen verziert sind und die einen Gürtel um die Hüfte geschnürt hat. Eine Ausnahme bildet Florentines Hochzeitskleid, das einen gänz¬ lich unterschiedlichen Ausschnitt aufweist: Der tief, in gerader Linie verlaufende Aus¬ schnitt ist über die Brust gespannt, sodass das zwischen einer breiten Zierborte eingesetz¬ te geschnürte Mieder zu erkennen ist (Abb. 70).486 Eine weitere Abweichung ist das reich verzierte Kleid Adelheids nach ihrer Enttarnung am Hof Toledos: Das Kleid betont eben¬ falls den Oberkörper, die Ärmel sind luxuriös mit Federn oder Fell verbrämt (Abb. 14). 481 Der kniehohe Reiterstiefel mit umgeschlagenen Rand war zeittypisch für das 15. Jahrhundert: Vgl. POST 1928, Taf. 106 g1 mit Abb. 19; Loschek 52005, S. 200; NlENHOLDT 1938, S. 66; ROSENFELD 1978, S. 139; Swann 2010, S. 20. 482 Zum Wechsel der Kleidung vgl. unten Kapitel 5.3., S. 122f. 483 Die Oberteile verengten sich seit 1340/50, vgl. hierzu LOSCHEK 52005, S. 28 und 294—309, bes. S. 296; NlENHOLDT 1938, S. 68; KOCH-MERTENS 2000, S. 158 und 177; BÖNSCH 2001, S. 108; PIETSCH 2010, S. 174; HUNDSBICHLER 31986, S. 232; FRIELING 2005, S. 324 und LEHNART 2005, S. 34. 484 Loschek 520 05, S. 30; Ronsdorf 1933, S. 24; Nienholdt 1938, S. 68; Bönsch 2001, S. 108; Koch- Mertens 2000, S. 177; Hundsbichler 31986, S. 236 und Lehnart 2005, S. 33. 485 Loschek 52005, S. 130,159 und 220; Lehnart 2005, S. 40. 486 Auf den folgenden Abbildungen laufen die Kleider in Schleppen aus: 1, 13—15, 19, 27, 32f., 35—38, 45f., 63, 67, 70 und 82. Vgl. hierzu BOEHN 1925, S. 176; LOSCHEK 52005, S. 435£; THIEL 1960, S. 103 und S. 113-115; KOCH-MERTENS 2000, S. 158; KÜHNEL 1992, S. 227f.; STEINMANN 1938, S. 824; Frieling 2005, S. 324. 487 POST 1928, Taf. 106 hl mit Abb. 10; RONSDORF 1933, S. 33 und ZANDER-SEIDEL 1990, S. 99. 488 Albrecht Dürer, Liebespaar, 1492—1494, Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, Inv.Nr. 23918. 489 ln der Renaissance reift dieser Gewandausschnitt aus, vgl. POST 1928, Taf. 106 h1 mit Abb. 13; ROSEN- FELD 1978, S. 142. Mieder, die die Brust formten, waren um 1480 schon verbreitet, vgl. hierzu PIETSCH 2010, S. 175; Loschek 52005, S. 370f. 117