in der für die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts zeitgemäßen höfischen Mode dar, sodass davon ausgegangen werden kann, dass der Zeichner sich auf dem Gebiet der Hofgewan¬ dung auskannte. Zur höfischen Bekleidung junger Männer gehörte auf dem schulterlangen, lockigen Haar4 1 der Schapel4 4, der häufig mit Federn473 475 480 geschmückt war. Die Mode des 15. Jahr¬ hunderts schreibt jungen Männern ein bartloses Gesicht vor.4 6 Über dem Hemd mit wei¬ ten Beutel- oder schmal geschnittenen Ärmeln war ein bis zur Hüfte reichender Schulter¬ mantel4 geschnürt und dazu trug man einfarbige Beinlinge. Die engen Beinlinge, die in der Regel aus elastischem Gewebe gefertigt, ließen die Form der Beine gut erkennen.4 8 Das weite Hemd und der Schulterumhang betonten besonders den Oberkörper. Das Schuhwerk bestand aus spitz zulaufenden, schmalen Schnabelschuhen, die nahdos in die Beinlinge übergingen. Die für junge Männer übliche Bekleidung des späten 15. Jahrhun¬ derts trägt Lewe am Hofe (Abb. 9f., 20, 26f., 31—36), wie in der Illustradon eines Basler Terenzstocks,4 1 auf dem der junge Phaedria schulterlange lockige Haare mit einem Scha¬ pel, der mit Federn verziert ist, einen kurzen Schultermantel, enge Beinlinge und Schna¬ belschuhe trägt. Die Ähnlichkeit des äußeren Erscheinungsbildes mit der Figur Lewe ist eindeudg erkennbar. Die Kleidung der jungen Männer dieser Periode unterschied sich kaum: Auf der 1489 datierten Federzeichnung Albrecht Dürers,48" die einen Ausritt von sechs Reitern zeigt, ist die Jugendlichkeit des Mannes rechts ebenfalls durch die schulter¬ langen Locken, den Schapel mit Federzier, und das bartlose Gesicht gekennzeichnet. Hier trägt der Reiter keinen Schultermantel, das taillierte Wams mit Pelz verbrämten Säumen 473 In den letzten zwei Dekaden des 15. Jahrhunderts enden die Haare auf Schulterlänge und sind meist ge¬ kräuselt: Post 1928, Taf. 106 g1; Thiel 1960, S. 112; Nienholdt 1938, S. 67; Koch-Mertens 2000, S. 166; Rosenfeld 1978, S. 141; Loschen 52005, S. 228; Praschl-Bichler 2011, S. 157 und Lehn¬ art 2005, S. 28f. 474 Zum Schapel: POST 1928, Taf. 106 g1; POST 1954, S. 31 Anm. zu Abb. 2; BOEHN 1925, S. 194; RONS- DORF 1933, S. 12; Loschen 52005, S. 318 und 432; Koch-Mertens 2000, S. 166; STEINMANN 1938, S. 839; Hundsbichler 31986, S. 234; KÜHNEL 1992, S. 219f, und PRASCHL-BlCHLER 2011, S. 158. 475 Bei den Federn handelte es sich vor allem um Kranich- oder Fasanfedern, die in Agraffen zusammenge¬ fasst an der Kopfbedeckung befestigt wurden, vgl. LOSCHEN 520 05, S. 186; KÜHNEL 1992, S. 75; KOCH- MERTENS 2000, S. 169; KAISER 1991, S. 109f. und auch PRASCHL-BlCHLER 2011, S. 123f. 476 BOEHN 1925, S. 230f.; NIENHOLDT 1938, S. 67; KOCH-MERTENS 2000, S. 166; JEDDIG- Gesterling/Brutscher 1988, S. 62; Hundsbichler 31986, S. 242; Loschen 52005, S. 115 und Lehnart 2005, S. 29. 47 Die Schultermäntel wurden Ende 1480 mit langen Schnüren um die Schultern zusammen gehalten und meist von jungen Männern getragen, vgl. hierzu POST 1928, Taf. 106 g1 mit Abb. 11 und 14; POST 1954, S. 24 mit Abb. 2; Boehn 1925, S. 213; Loschen 52005, S. 357-366, hier S. 359; Thiel 1960, S. 111; Nienholdt 1938, S. 65; Zander-Seidel, S. 174; Kühnel 1992, S. 166; Hundsbichler 31986, S. 237; Vavra 1991, Sp. 1200 und Lehnart 2005, S. 27. 478 Die engen Beinlinge wurden noch im 16. Jahrhundert getragen: Vgl. hierzu ZANDER-SEIDFX 1990, S. 181-183 mit Abb. 168; STEINMANN 1938, S. 838; KÜHNEL 1992, S. 27f.; LOSCHEN 52005, S. 467f.; Praschl-Bichler 2011, S. 49-54 und Lehnart 2005, S. 15. 479 Basel, Öffentliche Kunstsammlung, Kupferstichkabinett, Z 459. Die Druckstöcke der geplanten Illustra¬ tionen zu einer Terenzausgabe sind im Kupferstichkabinett erhalten geblieben. Vgl. hierzu auch unten Kapitel 7.5., S. 154f. 480 Albrecht Dürer, Der Reiterzug, 1489, Bremen, Kunsthalle, Inv.Nr. B. 115