telinhalt, ab dem zwölften bilden mehrere Federzeichnungen eine Illustrationssequenz.3V; Häufig sind Bildabfolgen von zwei bis drei Illustrationen vor die Kapitel gesetzt; mehrere Zeichnungen sind insbesondere jenen Erzählabschnitten vorangestellt, die für den Verlauf der Geschichte bedeutend sind. Diese längeren Passagen sind an den zentralen Textstellen mit davor gestellten Zeichnungen unterbrochen. Demgemäß wurde im Kapitel XVIII ver¬ fahren, das durch die Bilder in drei Abschnitte gegliedert ist; die erste Bilderabfolge (Bl. 62v-64v) umfasst fünf ganzseitige Miniaturen, die zweite (Bl. 87r+v) und dritte (Bl. 92r+') jeweils zwei Illustrationen. In Kapitel XXXII erfolgt dieselbe textliche Teilung, doch ist die Bebilderung hier knapper ausgefallen: Die erste Bildersequenz (Bl. 165'— 1671) bilden zwei ganz- und zwei halbseitige Zeichnungen, die zweite (Bl. 173''"') zwei ganzseitige und die dritte (Bl. 178) ein Einzelblatt. In jeweils zwei Teile sind drei Kapitel der unbebilder- ten Handschriftenhälfte unterteilt; Kapitel XLVII (Bl. 259v und Bl. 265—266'), Kapitel L (Bl. 293v+r und Bl. 298-299') und Kapitel LXIX (Bl. 422r-423r und Bl. 433r-434'). Durch die Anordnung zu Bildersequenzen vor den Kapiteln ergibt sich, dass die Bildseiten häufig ganzseidg sind. In der Berliner Herpin-Handschrift sind von den 90 ausgeführten Zeich¬ nungen 53 ganzseitige Bildseiten, deren Bildfeld mit einem dünnen, braunen Rahmen be- • 340 grenzt ist. 3.6. Initialen Der Berliner Codex wurde mit einer aufwendigen Ausstattung versehen. Davon zeugen nicht nur die Kapitelillustrationen, sondern auch die Initialen, die jedes Kapitel auszeich¬ nen. Von den insgesamt 73 geplanten Initialen sind 24 im FleuronnestiF41 ausgeführt worden. Die Buchstaben stehen ohne Rahmung und Hintergrund auf der Papierseite. Alle Initialen sind in blauer und roter Tinte koloriert; entweder ist der Buchstabenkörper mehrfarbig und die Besatzmotive in der Gegenfarbe oder sie sind einfarbig koloriert. In der Regel nehmen die Initialen die Höhe von vier bis fünf, seltener von sechs oder mehr Zeilen ein; nur das weit nach unten geführte I ist größer als die übrigen Initialen. Der Buchstabe H wurde besonders häufig als Initiale ausgeführt, da die Kapitelanfänge meist mit der Redewendung „Hye lasse ich einwenig von [...]“ eingeleitet sind. Der Buchsta¬ benstamm der H-Initialen ist meist mit einem Randband umgeben. Die Fadenausläufer der Besatzmotive sind häufig als Ranken mit pflanzlichen Enden verstanden und um den Buchstabenkörper gruppiert. Die Ausläufer enden häufig in u-förmigen Schlaufen. Die Rankenstränge, aus einer oder zwei Linien gebildet, sind s-förmig, mit Knick oder Schlau¬ fe um die Buchstaben arrangiert. Die tropfenförmigen Schlaufen bei den Fadenausläufern umschließen teilweise kleine Blüten. Die Besatzmotive der Initialen bestehen hauptsäch¬ lich aus Rosetten, Perlenreihen, Palmettenblättern, Fruchtmotiven und Parallelfäden. Die Enden der Buchstabenabläufe sind meist mit Ranken- oder Blütenmotive versehen. Als Besatzelement von Fadenfortsätzen und Buchstabenschäften dient die runde Perle häufig S. 145; Ausst.Kat. Buchkunst, S. 190; Boeckler/Wegener 1931, S. 80. 339 Vgl. Beth 1908, S. 266f. 340 Zur Aufteilung der einzelnen Bildseiten in mehrere Felder siehe oben S. 52f. 341 Zum Fleuronne vgl. Art. ,FLEURONNE‘, in: RDK IX, Sp. 1113—1196, bes. Sp. 1151—1181. 61