inzwischen sind jedoch die kritischen Ausgaben von ,Loher und Maller' sowie ,Herzog Herpin' durch Ute von Bloh und Bernd Bastert erschienen.'12 Helga Lengenfelder betreute eine Reihe von Microfiche-Editionen, die den Großteil der handschriftlichen Überliefe¬ rungen der mittelhochdeutschen Adaptionen der Forschung in Farbe zugänglich machte."1 Sowohl in den Kommentaren dieser Faksimile-Ausgaben wie auch in den zwei wichtigen Analysen zur späteren Druckgeschichte der Romane von Ralf Konczak 4 und Bodo Gotz- kowsky52 55 60 dokumentieren die Untersuchungen die Überlieferungs- wie auch die Textge¬ schichte der literarischen Adaptionen. Erst 1995 gelang der Germanistin Ute von Bloh die fundierte Analyse der divergierenden Textredaktionen: Sie konnte nachweisen, dass Lang¬ fassungen (Hamburger und Kölner Handschriften) der Geschichte um ,Loher und Maller' im 15. Jahrhundert neben Kurzfassungen (Heidelberger, Prager und Wiener Handschrif¬ ten) existierten. Für den ,Herpin' konnte sie den Beweis erbringen, dass der Straßburger Druck von 1514 in seiner Bearbeitung direkt von der Braunschweiger Handschrift, die heute in der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel liegt, abhängig ist. Diese wiede¬ rum ist laut von Bloh und Gerhard Sauder auf den Saarbrücker Hof zurückzuführen.16 Die Chanson-de-geste von ,Loher und Maller' hat „bedütschet“ Elisabeth 1437 „durch sich selbs“, das heißt in selbständiger Arbeit, wie es ein am Schluss aller ,Loher und Mal- ler'-Handschriften überlieferter, der Memoria dienender Passus nachdrücklich unter¬ streicht.1 Diese Subscriptio berichtet über Elisabeths Mutter, der „frowe Margrette greffynne zu wyedemont vnd frowe zu Genville hertzog frydrichs von lottringen graffen zu wiedemont hussfrawe“, dass sie die Erzählung bereits im Jahre 1405 niederschreiben ließ. 1988 konnte dann in Wiesbaden von Ulrich Mölk ein in Lothringen geschriebenes Fragment der französischen ,Loher und Maller'-Fassung, die sonst nur durch Elisabeth und einen mittelniederländischen Übersetzer tradiert ist, aufgefunden, als ehemals Saar¬ brücker Besitz identifiziert und transkribiert werden.6 Für das deutsche ,Lewenbuch von Burges in Berrye' können insgesamt drei Handschriften, mehrere Drucke des 16. und 17. Jahrhunderts1' und drei Textfassungen nachgewiesen werden. Zum einen die Fassung in der vom Saarbrücker Hof ausgehenden Wolfenbütteler Handschrift6'1 (1455/72) und im 52 von Bloh 2013 und Bastert 2014. 53 von Bloh 1990; Müller 1993; von Bloh 1995; Wolf 2000. 54 KONCZAK 1991: Die Drucke zur Historie Herzog Herpins und zum Loher und Maller beschrieb Ralf Konczak im Einzelnen und arbeitete sowohl die Einrichtung der Drucke, den inhaltlichen Vergleich der Vorreden und Anfangskapitel und das Abhängigkeitsverhältnis zwischen den Drucken heraus. 55 GOTZKOWSKY 1991, S. 79—83 (Herpin), S. 84—88 (Hug Schapler) und S. 89—92 (Loher und Maller). 36 VON BLOH 2002a, Abschnitt 1: Bisher ging man von einer Abhängigkeit des Drucks von 1514 von einer der Wolfenbütteler Handschriften verwandten Vorlage aus: VON BLOH 1990, S. 59, Anm. 36; MÜLLER 1905, S. 35-38; Liepe 1920, S. 112; Burchert 1987, S. 197f.; Sauder 2002, S. 574f. 57 VON Bloh 1995, S. 16f.; VON Bloh 2002a, Abschnitt 1. 58 MÖLK 1988. VJ Die typographische Ausgabe erschien erstmals bei Grüninger in Straßburg 1514, danach noch vier Dru¬ cke in Frankfurt: Bei Thomas Rebart und Weigand Hans Erben, 1568/69; bei Paul Reffeier für Hart¬ mann Hahn, 1579; im Buch der Liebe bei Sigmund Feyerabendt, 1587; bei o.O., 1580; Leipzig: Vinzenz Strach für Nikolaus Nerlich, 1590. Die Drucke tragen alle den Titel ,Der weiß Ritter1. 60 Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 46 Novissimi °2, mit 32 eingeklebten Illustratio¬ nen. Zur Beschreibung der Handschrift siehe WOLF 2000. 14