Zyklen entstanden vorwiegend im 12. und 13. fahrhundert und wurden später durch den höfischen Roman beeinflusst, in dem die Laissenabfolge in Reime aufgelöst, und inhalt¬ lich vor allem die Rolle der Frauen stärker berücksichtige ’ wurde. Zudem erfuhren die Helden eine feinere Psychologisierung ihres Charakters/n Ebenso in der Doppelung von Erzählmotiven und Handlungen glichen sich die beiden Gattungen Versepos und Roman einander an/1 Die Chansons-de-geste des Hochmittelalters berichteten von Helden, die überwiegend im 8. und 9. Jahrhundert lebten, und griffen so auf eine Zeit vor der Ver¬ schriftlichung volkssprachiger Literatur zurück.32 Die Erzählungen wurden auf Einzeltaten und Familiengeschichten reduziert. Das funktionierende Feudalsystem griff nicht mehr in die Geschichtsstruktur ein, sondern Macht und Gewalt einer Einzelperson sowie die familiären Blutsbande lenkten ein ganzes Königreich.28 33 39 Charakteristisch hierfür sind ihre Verknüpfungen von Handlungssträngen besonders bei Generationenfolgen, Rückgriffe auf Aventiuren, Überleitungen zu nebeneinander ablaufenden Erzählungen und Bezüge zu anderen Romanen/4 Im spätmittelalterlichen deutschen Prosaroman traten die höfischen Normen und Re¬ präsentationsformen in den Hintergrund zu Gunsten einer drastischen Erzählform,13 denn die Texte transportierten nicht mehr die Auseinandersetzung mit den höfischen Le¬ benslehren und aristokratischen Werten; sondern sie beabsichtigten vielmehr inhaltliche Identifikation durch historisierte Erzählmotive/'1 Aus den Erzählungen verschwanden Re¬ flexionen des Autors, Kommentare und Diskussionen höfischer und gesellschaftlicher Werte. Dementsprechend griffen die Erzählungen auch nicht mehr normbildend in das höfische Alltagsleben ein.1 Der spätmittelalterliche Prosaroman ist zumeist keine literari¬ sche Eigenleistung der volkssprachigen Dichter, sondern vielmehr eine mehr oder minder freie Übersetzung und Nacherzählung,1^ die in der kulturell-gesellschaftlichen Umbruchs¬ zeit des zweiten Drittels des 15. Jahrhunderts in adeligen Häusern entstand, in der dann auch immer mehr städtische Schichten des Lesens fähig wurden. ’ Durch die stetige Ver¬ breitung der Volkssprache änderte sich das Verhältnis von lateinischer und volkssprachi¬ ger Literatur wesentlich, denn die Prosa gewann allmählich auch in der deutschen Erzähl¬ de Mez‘. Vgl. LexMa V, Sp. 2137f. 28 Die Nanteuil-Geste ist ein Nebenzweig der Empörerepen, zu der unter anderem ,Doon de Nanteuil1, ,Aye d’ Avignon', ,Gui de Nanteuil', ,Parise la duchesse' und ,Tristan de Nanteuil' zählen. 29 Anders als im höfischen Roman werden die Frauengestalten der Chansons-de-geste nicht immer zu¬ rückhaltend, demütig und christlich gezeigt, sie verhalten sich unternehmungslustig und gegebenenfalls schlüpfen sie auch in die Rolle von Männern. 30 LexMa II, Sp. 1704f. 31 LexMa II, Sp. 1705. 32 LexMa II, Sp. 1705. 33 Cramer 32002, S. 72f. 34 Thomas 1971, S. 253; LexMa VII, Sp. 983. 35 LexMa VII, Sp. 985. 36 Cramer 32002, S. 69. 37 Müller 1983, S. 441 und S. 448f. 38 Weinmayer 1976, S. lOf. 39 Roloff 1970, S. 5. 12