zusammen, die so der Forschung zugänglich gemacht werden. Die Analyse und der Ver¬ gleich der verschiedenen Bildprogramme in den Handschriften bleiben anderen Studien Vorbehalten. 1.1. Forschung und Textgrundlage Der Roman ist eine mittelalterliche Invention und leitet sich vom lateinischen Wort roman- ice her, das sich auf die aus dem Lateinischen abgeleiteten ,romanischen’ Sprachen bezi¬ eht. In Frankreich gewann der Roman als literarische Gattung um die Mitte des 12. Jahrhunderts an Autonomie.16 Besonders individuelle Lebensschicksale wurden in fiktiven Aventiure- und Minnedienst-Geschichten thematisiert. Der ,Herpin4 ist dieser Gattung zuzuordnen. Kennzeichnend ist für eine solche Chanson d’aventures im Gegensatz zur Chanson-de-geste-Vorlage16 19 die geschlossene Erzählform, die nicht in einer Folge von Laissen, sondern in Alexandrinern gedichtet ist.2" Im Roman richtet sich der Fokus auf das Wundersame, das Wunderbare und die Neuheit; in den Chansons-de-geste steht die wahrheitsgemäße oder anscheinend der Wahrheit entsprechende Wiedergabe der Helden¬ taten im Vordergrund.21 So wurden um 1200 aus den Chansons-de-geste bestimmte Erzählungen herausragender Helden zu Zyklen zusammengefasst." Daraus ergaben sich folgende Themenkreise innerhalb der Chansons-de-geste-Epen: Die Karls- oder Kö¬ nigsgeschichte (,La geste de Charlemagne4 oder ,La geste du roi4), in der bevorzugt die Taten Karls des Großen wiedergegeben wurden;2’ die so genannten Empörererzählungen (,La geste de Doon de Mayence4 oder ,Le cycle féodal4), in denen die Auflehnung einzel¬ ner Vasallen gegen den König geschildert wurden,24 25 und die Wilhelms-Erzählungen (,Geste de Guillaume d’ Orange4), in denen es um die Figur Guillaumes d’ Orange geht.2:i Daneben erschienen noch drei weitere Erzählzyklen, die zeitgenössische historische Er¬ eignisse aufgriffen: Der Kreuzzugszyklus (,Le cycle de la croisade4),26 27 der Lothringerzyklus (,La geste des Loherains4)2 und die Nanteuil-Geste (,La geste de Nanteuil4).2* Diese 17 Komanice loqui im Gegensatz zu latine loqui. Es bezeichnet die einfache, grammatikalisch ungeschliffene Volkssprache. 18 LEXMA VII, Sp. 981. 19 Der Terminus Chanson-de-geste leitet sich aus dem lateinischen Wort gesta (deutsch: Tat, Handlung) ab. Die Chansons-de-geste sind eine altfranzösische Epengattung, deren älteste Heldengeschichte um 1100 schriftlich überliefert ist. Allerdings gehen diese Erzählungen auf ältere, mündlich tradierte Versionen zurück. Vgl. hierzu LexMA II, Sp. 1703. 20 Laissen sind Versgruppen unterschiedlicher Länge, deren Zehnsilber mit Assonanzen verbunden sind. 21 LexMA VII, Sp. 982. 22 LexMA II, Sp. 1704. 23 Dazu gehören unter anderem die ,Chanson de Roland4,,Mainet4, ,Otinel‘ und ,Fierabras‘. 24 Vgl. unter anderem ,Gormond et Isembart4, ,Doon de Mayence4, ,Chevalerie Ogier4 und ,Girart de Roussillon4. 25 In diesem Zyklus beispielsweise: ,Girart de Vienne4, ,Les Narbonnais4, ,La Prise d’ Orange4 und ,La Chanson de Guillaume4. 26 ,Le Chevalier au cygne et Godefroid de Bouillon4, Jérusalem4, ,Les chétifs4 und ,La mort de Godefroid4. 27 Ein Zyklus von vier Epen, die sich um die Stadt Metz konzentrieren und ein fiktives Lothringen sugge¬ rieren, das im Mittelpunkt der kulturellen und politischen Streitigkeiten steht. Die Lieder reihen sich wie folgt aneinander: ,Hervis de Mez4,,Garin le Loherain4, sowie ,Gerbert de Mez4 und abschließend ,Anseys 11