Einleitung Einleitung Ziel der vorliegenden Publikation ist die Edition eines umfangreichen landesherrli¬ chen Rechnungsbestandes aus dem späten Mittelalter, der auf Burg Kirkel im ehe¬ maligen Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, einem mittelgroßen Territorium im We¬ sten des Alten Reiches, entstanden ist und heute im Landesarchiv Speyer verwahrt wird. Aufgrund des Umfangs dieses Bestandes richtete sich das Augenmerk des Bearbeiters in zunehmendem Maße auf die Erschließung des Materials als auf seine lückenlose Auswertung. Immerhin können in einem darstellenden Teil ver¬ schiedene Ansätze zu einer Interpretation der Rechnungsseric unternommen und weitere Perspektiven für die Forschung aufgezeigt werden. Wenn man bedenkt, daß bis zum 15. Jahrhundert neben Historiographie und Chro- nistik vielfach nur Urkunden als Geschichtsquellen in Frage kommen, mit den Rechnungen aber erstmals serielle Aktenbestände auftauchen, kann man die Fülle von Informationen erahnen, die sie bereithalten. Freilich entzog sich diese Quel¬ lengattung lange dem Zugriff der überregionalen Wissenschaft ebenso wie der re¬ gionalen Geschichtsforschung. Ganz offensichtlich hielt man Rechnungsserien in früheren Jahrhunderten für wenig aussagekräftiges Archivgut und hat nur jeden zehnten Jahrgang aufbewahrt. Nur so erklärt sich, daß beispielsweise von den Rechnungen des Amtes bzw. der pfalz-zweibrückischcn Kellerei Lichtenberg nur die Jahrgänge 1466, 1470, 1480, 1490 und 1500 erhalten sind. Heute stuft man den Quellenwert von Rechnungen allgemein höher ein. Von einer vergleichenden Auswertung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Rechnungen ist die Forschung aber noch weit entfernt. Neben der Notwendigkeit, umfangreiche Textmengen zu bewältigen, liegen die Zugangsschwierigkeiten auch in paläographischen, sprachli¬ chen und sachlichen Herausforderungen. Somit bleibt die wissenschaftliche Editi¬ on von Rechnungsserien weiterhin ein Desiderat der Forschung, Mit dem gegen¬ wärtigen Band liegt nun ein umfangreicher Bestand aus dem Bereich eines Lan¬ desherrn mittlerer Größe vor. Für das südliche Westdeutschland, die heutigen Bun¬ desländer Rheinland-Pfalz und Saarland, handelt es sich um den größten zusam¬ menhängenden Bestand spätmittelalterlicher Territorialrechnungen überhaupt. Dabei läuft die Rechnungsserie der Kellerei- bzw. Amtsrechnungen aus Kirkel durch das 16. und 17. Jahrhundert weiter fort und man könnte einige Forstrechnun¬ gen des 18. Jahrhunderts noch hinzuzählen; jedenfalls sahen das die früheren Ar¬ chivare so, die die letzteren bei der Numerierung des Bestandes der Zweibrücker Rechnungen nach den Rechnungen der Keller und Amtleute einsortierten. Rechnungen zählen zum Schriftgut des alltäglichen Gebrauchs und sind primär nicht dazu bestimmt, Geschichte zu schreiben. Vielmehr dienen sie zur besseren Überprüfbarkeit finanzrelevanter Geschäfte herrschaftlicher Amtsträger, die vor dem Landesherrn oder den von diesem dazu befugten Räten regelmäßig Rechen¬ schaft über ihre Amtsführung leisten mußten. Dies geschah lange Zeit mündlich. Das Auftauchen von Rechnungen auf Papier stellt einen bedeutenden Schritt zur Effektivierung und Systematisierung der landesherrlichen Verwaltung dar und ermöglichte - in gewissen Grenzen - eine Kontrolle des lokalen landesherrlichen Amtsträgers vor Ort. Noch lange nach dem Gebot der Verschriftlichung erfolgten 3