Die latenten Spannungen brachen schließlich in der Frage um die Kriegskredite of¬ fen aus. Vom linken Flügel der Sozialdemokratie heftig abgelehnt, willigte die Mehrheit in die Kredite ein. Zur organisatorischen Spaltung kam es dann endgültig im April 1917, als sich - aus einigen bereits bestehenden Dissidentengruppierungen heraus - die Un¬ abhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) formierte. Neben anderen Gruppen der partei- und fraktionsinternen Opposition schloss sich auch die seit 1916 unter diesem Namen firmierende Spartakusgruppe um Rosa Luxemburg und Karl Lieb¬ knecht der USPD an. Die später in Spartakus/»««^ umbenannte Gruppierung wurde schließlich mit anderen linksproletarischen Formationen Keimzelle der am 1.Januar 1919 gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), während die USPD nach 1922 in der Bedeutungslosigkeit versank: Die Mehrheit schloss sich der SPD, eine starke Minderheit der KPD an.280 Die Spaltung der Arbeiterbewegung resultierte be¬ reits in der Nachkriegszeit in blutigen Auseinandersetzungen und trug ganz wesentlich zur weltanschaulichen Polarisierung und politischen Radikalisierung während der Zwi¬ schenkriegszeit bei. Daran hatte nicht zuletzt auch die Rezeption der russischen Okto¬ berrevolution Anteil, welche vom rechten Flügel der Arbeiterbewegung abgelehnt, vom linken aber partiell zum Vorbild stilisiert wurde. Besonders die Politik der KPD richtete sich, zumal unter der Ägide Ernst Thälmanns (ab 1925), am sowjetrussischen Vorbild aus.281 Auch wenn hier vor allem auf die deutsche Entwicklung rekurriert wurde, war die Spaltung der Arbeiterbewegung ein internationales Phänomen, das auch Luxemburg, wenngleich in schwächerem Ausmaß, tangierte. Für die Vorkriegszeit wurde bereits die Linksabspaltung der Gruppe um die Zeitschrift Der Arme Teufel genannt; zur endgülti¬ gen institutioneilen Spaltung kam es schließlich im Januar 1921, als sich einige Dissiden¬ ten der 1917 gegründeten Sozialistischen Partei Luxemburgs (SPL) in Differdingen zur Kommunistischen Partei Luxemburgs (KPL) zusammenschlossen.282 Den entscheiden¬ den Anstoß für das Schisma lieferten hier zwei Streitfragen: einmal die Frage nach dem Status der Gewerkschaften, zum anderen diejenige nach dem Anschluss an die III. (Mos¬ kauer) Internationale unter sowjetischer Führung. Die sozialistische Minderheit, welche dann die KPL gründen sollte, votierte für einen Primat der Partei vor den Gewerkschaf¬ ten und außerdem für einen Anschluss an die III. Internationale.283 Im folgenden Kapi¬ tel VI soll danach gefragt werden, inwieweit sich Neunkirchen und Düddingen in den Jahren während und nach dem Ersten Weltkrieg in den hier holzschnittartig skizzierten allgemeinen Entwicklungskontext einordneten. 2X11 Zur institutionellen Spaltung der Arbeiterbewegung vgl. Grebing 2007, S. 60 £; Brandt 1996, S. 232. 281 Vgl. Grebing 2007, S. 84-87; Wehler 2003, S. 538-541. 2X2 Zur Gründung der SPL vgl. Fayot 1979, S. 176-181. 2X2 Zur Spaltung der luxemburgischen Arbeiterbewegung vgl. Scuto 1990, S. i64f. 462