en Gewerkschaften und Sozialisten einbrachte.213 Eine christliche Gewerkschaft im eigentlichen Sinne entstand zwar erst nach dem Ersten Weltkrieg, doch formierte sich bereits an dessen Vorabend, 1913, in Düddingen ein katholischer Arbeiterverein. Der erste Verein dieser Art auf luxemburgischem Territorium entstand 1848 in der Haupt¬ stadt.23'* Die Führungsprinzipien des katholischen protogewerkschaftlichen Zusammen¬ schlusses entsprachen voll der aus dem Deutschen Reich bekannten Präsesverfassung: An der Spitze stand ein Priester, der vom Bischof nominiert wurde. In den Vereinssta¬ tuten wurden zunächst genuin religiöse Zielsetzungen formuliert, etwa „die Pflege der christlichen Auffassung des Lebens und der Arbeit“ oder die „Heilighaltung der Sonn- und Feiertage durch Empfang der heiligen Sakramente“. Außerdem wurden - auch dies ist von den deutschen Beispielen her bekannt - Zwecke der Geselligkeit und der Arbei¬ terbildung definiert. So ist anzunehmen, dass im Umfeld des Arbeitervereins Sektionen für viele verschiedene Freizeitaktivitäten entstanden. Weiterhin geht aus den Statuten die dezidiert wirtschaftsfriedliche Gesinnung hervor: Die „Pflege der Standestugenden, insbesondere des Fleißes, der Treue, der Mäßigkeit und Sparsamkeit“, wurde zum Ver¬ einszweck erhoben. Schon die Terminologien markieren eine scharfe Scheidung von der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung, wo in der Regel von Arbeiter^/^se statt Avbcitecstand die Rede war. Der Standesbegriff suggeriert ein organisches Hineinwach¬ sen der Arbeiterschaft in die Gesellschaft, die in ihrem Grundbestand nicht in Frage gestellt wird. Der Arbeiterstand genoss demzufolge zwar gottgegebene Rechte, war aber zugleich an Pflichten gebunden. Vor allem hatte man die bestehenden Hierarchien zu akzeptieren und - wo nötig - durch Ausgleich und Konsens mit Unternehmern und Staat auf soziale Verbesserungen hinzuarbeiten. Folgerichtig wurde zwar die „Förderung der materiellen Interessen“ zum Vereinszweck erhoben, zugleich aber, schon im darauf¬ folgenden Punkt, die „Vermittlung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer“ als Weg zur materiellen Besserstellung vorgegeben.21'’ Ähnliche Funktionen übernahm für die katholischen Italiener das Werk Bono- melli mit seiner Filiale in Düdelingen. Überhaupt waren die Italiener im Bereich der Vereinsgründung sehr aktiv und vor allem die aus dem mutuo soccorso heraus entstan¬ denen zahlreichen Geselligkeits-, Sport- und Musikvereinigungen boten den italieni¬ schen Immigranten ein vitales Partizipationsspektrum.216 Die Italiener waren durch¬ aus Bestandteil des öffentlichen Lebens, wenngleich sie fhre eigene Vereinskultur pflegten. Im übrigen manifestierten sich im italienischen Vereinswesen sehr plastisch Übergangs- und Grauzonen zwischen apolitischer Geselligkeit und politischer, ge¬ nauer gesagt sozialistischer Vergemeinschaftung. Aus dem Düdelinger mutuo soccorso 253 Vgl. Wehenkel-Frisch 1991,8.95. 254 Vgl. Pauly 2011, S. 87. 235 Alle Angaben zum Katholischen Arbeiterverein Düdelingen vgl. Conrardy/Krantz 1991, S. 385. Alle Zitate ebd. 256 Vgl. Caldognetto 2009a, S. 107-m; Conrardy/Krantz 1991, S. 179. 456