Entsprechend ging es in dem Ausstand hauptsächlich um bessere Arbeitsbedingun¬ gen, kürzere Arbeitszeiten und einen höheren Gedingeverdienst. Mit dem Abebben des Streiks brach der Rechtsschutzverein rasch auseinander. Der organisatorische Nie¬ dergang und die knappen programmatischen Verlautbarungen lassen erkennen, dass es sich nicht um einen geeigneten Humus für sozialdemokratische Organisationsversuche handelte. Obwohl die Bergarbeiterbewegung letztlich scheiterte und insgesamt doch als apoli¬ tisch zu kennzeichnen ist, schafften es die Bergleute immerhin, organisatorische Ansätze und Streikaktivitäten zu generieren, während die frühen sozialdemokratischen Zirkel, vor allem in den drei Saarstädten, von Handwerksgesellen getragen wurden. Nur sehr wenige in diese Richtung zielende Befunde können für die Hüttenarbeiterschaft regis¬ triert werden. Im November 1883 wurden in Saarbrücken, Malstatt und Burbach Filialen der „Allgemeinen Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter“, die ihren Hauptsitz in Hamburg hatte, eingerichtet, ohne allerdings auf die Hütten auszustrahlen. Bei den ungefähr 150 Mitgliedern handelte es sich größtenteils um Arbeiter der Saarbrücker Maschinenbaufabrik Ehrhardt & Sehmer und der ebenfalls in Saarbrücken gelegenen Eisenbahnwerkstätte. Bis 1890 waren dann alle Filialen wieder verschwunden.20 Verstärkt nach der Jahrhundertwende versuchten christliche Metallarbeiterorganisa¬ tionen im Saarrevier Fuß zu fassen, hatten aber, was die Eisen- und Stahlgroßindustrie betrifft, lediglich in Burbach einige Erfolge zu verzeichnen. 1904 richtete der Christ¬ liche Metallarbeiterverband (CMV) dort eine Zahlstelle ein und konnte bis zum ers¬ ten Halbjahr 1906 immerhin rund 600 Mitglieder anwerben. Anfang Juni 1906 war der CMV dann wesentlich an der Organisierung eines Ausstandes beteiligt, an dem, nach Arbeitgeberinformationen, bis zu 2.000 Arbeiter teilnahmen. Zwar gilt diese Be¬ wegung, die sich an dem Protest gegen die Entlassung einiger Gewerkschaftsmitglieder auf der Burbacher Hütte entzündete, als „der erste ernstliche Hieb gegen das ,saarabi¬ sche System1 der Eisenindustrie“ im Saarrevier, aber sie wurde recht schnell niederge¬ schlagen und hatte keine direkten Folgen für die Organisationskultur, geschweige denn Auswirkungen über Burbach hinaus.21 Die Zahlen belegen die überschaubare Dimen¬ sion des christlichen Verbandes in den Folgejahren: Am 1. Oktober 1910 standen etwa 10.000 Mitgliedern der wirtschaftsfriedlichen Gelben Gewerkschaften im Saarrevier gerade mal 700 Anhänger der christlichen Verbände gegenüber.22 Noch bescheidener waren die Erfolge der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine: 1906 waren in den existierenden Ortsvereinen von Saarbrücken, St. Johann, Malstatt, Burbach, St. Arnual und Brebach zusammen lediglich 200 Metallarbeiter erfasst. Nach dem Scheitern des Burbacher Ausstands und dem Aufkommen der Gelben Gewerk¬ 20 Vgl. Mallmann 1980, S. 139 £ 21 Zum Burbacher Ausstand von 1906 vgl. Gabel 1921, S. 137 ff.; Borsdorf Aoos, S. 88 ff.; Gergen 2000, S. 432-435. 22 Zur Entwicklung des CMV im Saarrevier vor dem Ersten Weltkrieg vgl. Gabel 1921, S. 129-150. Obiges Zitat ebd., S. 143. Hervorhebung im Original. 398