einer gehobenen Arbeiterkategorie angehört zu haben. Es zeigt sich, dass das Dequalifi- kationstheorem, das ja gerade einen zunehmenden Verlust an Arbeitsfähigkeiten durch den verstärkten Einsatz der Maschinerie postuliert, in seiner Einfachheit nicht greift. Die Analysen von Hans Ehrenberg spiegeln letztlich eine bestimmte Phase in der Entwicklung der Eisen- und Stahlindustrie wider. Ergänzend ist zu betonen, dass sich die Konstellationen im Betrieb mit der technischen Weiterentwicklung veränderten: Mit den technischen Bedingungen im Betrieb änderten sich auch die Anforderungen an die Arbeitskräfte und damit die Qualifikationsstrukturen. Thomas Welskopp weist dies an der Ruhrindustrie sowie an der nordamerikanischen Eisen- und Stahlindustrie nach.240 In den hier verhandelten Werken scheint die Entwicklungsdynamik allerdings weniger stark ausgeprägt gewesen zu sein. Grundlegende Transformationen der techni¬ schen Bedingungen und der Arbeitssituation vollzogen sich eher zögerlich und gegen Ende des Betrachtungszeitraums. Nachdem gezeigt wurde, wie heterogen sich die Berufs-, Tätigkeits- und Qualifika¬ tionsstruktur im integrierten oder gemischten Eisen- und Stahlbetrieb generell und in den Werken von Neunkirchen und Düdelingen als paradigmatische Vertreter gestaltete, ist Gerhard Arnes zuzustimmen, wenn er schreibt: „Man sollte sich hüten, die Hütten¬ arbeiter als homogene Gruppe zu betrachten!1 Die „fraktionierenden Momente“ hätten überwogen, welche - hier leistet Arnes den Transfer von der Arbeitssituation zum Ar¬ beiterbewusstsein - einer ,,individuelle[n] Orientierung der Hüttenarbeiter“ Vorschub geleistet hätten.241 242 Die Heterogenisierung und Hierarchisierung der Belegschaft führ¬ te dazu, dass der einzelne Arbeiter zunächst auf sein eigenes Avancement bedacht war, welches er auch bei fehlender formaler Ausbildung durchaus erreichen konnte. Ebenso bestrebt war er, die Distanz ,nach unten1 zu wahren. So gesehen wirkten die Rangbe¬ zeichnungen, indiziert durch römische Ordinalzahlen, als innerbetriebliche Statussym¬ bole. Gelegentlich wurde die These formuliert, diese Segmentierung und Atomisierung der Belegschaft sei von den Unternehmensleitungen als personalpolitisches Instrument der Herrschaft und Domestikation der Arbeiter entwickelt worden, so etwa von Eck¬ hard Brockhaus, der von einer „zynischen Spaltung der Arbeiter in ein unübersehbares Gewirr von Positionen, die darauf abzielt, unter den Arbeitern einen rücksichtslosen egoistischen Konkurrenzkampf um die jeweils bessere Position zu entfachen“, spricht.21*2 Dies mag zum Teil zutreffen, ist aber anhand der Quellen schwer nachzuweisen. Eben¬ so möglich ist, dass sich die Atomisierung der Belegschaft aus der voranschreitenden Arbeitsteilung gleichsam naturwüchsig entwickelte, dann aber von den schwerindustri¬ ellen Unternehmern bereitwillig aufgegriffen und als Herrschaftsinstrument eingesetzt und vielleicht sogar artifiziell verschärft wurde. 240 Vgl. Welskopp 1994. 241 Vgl. Ames 1989, alle Zitate S. 116. 242 Brockhaus 1975, S. 143. 250