Abbildung 13: Puddler im Neunkirchcr Eisenwerk (1914).72 Weitere Beispiele physisch harter Arbeit könnten aufgezählt werden, doch soll am Beispiel des Puddlers auf einen weiteren Belastungsfaktor aufmerksam gemacht wer¬ den. Der freigewerkschaftliche DMV schrieb 1911 über die Arbeitssituation des Pudd¬ lers folgende Zeilen: „Wenn der Puddler gestorben ist, wird er am Höllenfeuer Heizer, dann hat er es besser.“ 1 Durch die Ausdrücke ,Höllenfeuer‘ 4 und ,Heizer wird eine 2 Die Eisenstange führt der Puddler durch die Ofenöflnung, um die Roheisenmasse umzurühren und zu wenden. Das Führen der Stange sowie das Rühren bedürfen größter Kraftanstrengung. Die gebück¬ te Haltung gefährdet mittelfristig die Gesundheit des Arbeiters mit Gewissheit. Außerdem zeigt sich, dass diese Tätigkeit noch im Wesentlichen auf Handarbeit beruhte und mit einem gewissen Maß an Arbeitsfertigkeit einherging: Mit der Stange musste nicht nur gerührt, sondern auch geformt werden. Somit unterschied sich diese Tätigkeit von vielen Formen der Arbeit etwa im Konverterstahlwerk, die sich nur noch im Takt einer relativ autonom funktionierenden Maschine oder Produktionsanlage voll¬ zogen. Zugleich ist der Puddler, der unmittelbar am Ofen arbeitet, beträchtlicher Hitze und eventuell auch Funkenschlag ausgesetzt. Im Hintergrund sind weitere Arbeitskräfte zu sehen, die wahrschein¬ lich dem gleichen Puddlerteam angehören. Bei den beiden Erwachsenen handelt es sich womöglich um weitere Puddler, die sich mit dem gerade am Ofen beschäftigten Puddler turnusmäßig abwechseln. Außerdem ist ein Jugendlicher zu sehen, der wohl für die Beischaffung von Materialien und ähnliche Zubringerdienste verantwortlich ist. Die Fotografie entstammt dem Bildbestand des Depositums der Saarstahl AG im Neunkirchcr Stadtarchiv: StA Nk, Dep. Saarstahl AG, Sammlung Bildträger, 977P. Zitiert nach Die Schwereisenindustrie 191z, S. 631. ‘ Sehr interessant im Zusammenhang mit dieser vom DMV eingebrachten Metapher ist eine Anek¬ dote aus dem Bierbacher Heimatbuch unter dem Titel „Der Musikant in der Hölle“. Dort wird erzählt, wie Mitte des 19. Jahrhunderts fünf Musiker aus Bierbach (siehe Abbildung 7) nach Neunkirchen auf¬ brachen. Dort zechten sie im Wirtshaus, woraufhin einer auf der Straße des Abends das Gleichgewicht 211