Strecken. Die Belgier stammten wohl überwiegend aus der Provinz Luxembourg, aus den Ardennen, von der Maas und dem Borinage. Die Mehrzahl der in Düdelingen an¬ sässigen Belgier war indes nicht in der Hüttenindustrie beschäftigt.'’i: ,,[L’l immigration est une hyperréalité au Luxembourg“, konstatiert Denis Scuto und bezieht sich dabei einerseits aut die gegenwärtige wie die historisch gewachsene de¬ mographische Struktur des Großherzogtums, andererseits aber vielleicht auch auf den wissenschaftlichen Diskurs des Landes.542 543 545 Das Thema der Zuwanderung beschäftigt die luxemburgische Geschichtsschreibung seit einigen Jahren intensiv, wenngleich in etwas einseitiger Ausrichtung: Während die luxemburgische Binnenmigration ebenso wie die Zuwanderung aus den Nachbarstaaten nach wie vor eher abseits des Interesses stehen, sind die Publikationen rund um das Thema Fernmigration Legion.5 “ Zwei Fernwande¬ rergruppen dominierten dabei sowohl die Immigration an sich, als auch den Migrati¬ onsdiskurs. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren dies die zuhauf eingewanderten Por¬ tugiesen, vorher die Italiener, die seit den 1890cm kamen und über Jahrzehnte hinweg, trotz einiger empfindlicher Schwankungen etwa infolge des Ersten Weltkriegs oder der Weltwirtschaftskrise, gerade in der Industrie stark vertreten waren. Ohne die quantita¬ tiv beachtliche Einwanderung italienischer Arbeitskräfte wäre die Industrialisierung des Minettebassins kaum denkbar gewesen.v“ 542 Vgl. KoerperiCH, Léon/KRANTZ, Robert: Diidelinger Fremdarbeiter von 1883 bis zur Jahrhun¬ dertwende, in: An der Ucht. Letzeburger Familie-Kalenner 1971, S. 5-8. 543 SCUTO zoo8, S. 39z. 544 Fiier nur die Titel einiger ausgewählter Sammelbände, die das Thema Immigration in seinen ver¬ schiedenen Facetten durchleuchten: Reuter/Ruiz (Hrsgg.) 1007; Montebello (Hrsg.) 2.001; Reu- ter/Scuto (Hrsgg.): 1995; Pauly (Hrsg.) 1985. Einen kompakten Forschungsüberblick liefert Scu- to 1008. Interessant sind außerdem zwei Artikel, die eine Bestandsaufnahme der wichtigsten Quellen und Archive zur luxemburgischen Immigrationsforschung vorlegen: Hendrickx, François: Guide des archives de l’immigration et des migrations internes au Luxembourg aux débuts de lere industrielle, in: Luxembourg: histoires croisées des migrations, Paris 2.002., S. io-zo; Reuter, Antoinette: Modestes documents, grandes ressources - sauvons les archives privées et associatives des migrations!, in: Luxem¬ bourg: histoires croisées des migrations, Paris zooz, S. zz-zj. 545 Schon in den erwähnten Sammelbänden stehen die Italiener deutlich im Fokus des Interesses. Da¬ neben gibt es Studien, die sich ganz explizit und ausschließlich mit den italienischen Zuwanderern beschäftigen. Dies wären, neben der bereits zitierten Monographie von Gallo 1987 und dem grund¬ legenden Aufsatz von Trausch 1981, beispielsweise folgende Bände: Boggiani, Jos/Caldognet- to, Maria Luisa/ClCOTTi, Claudio u. a. (Hrsgg.): Traces de mémoire, mémoire des traces. Parcours et souvenirs de la présence italienne au Luxembourg et dans la Grande Région, Luxembourg Z007; Reuter, Antoinette (Hrsg.): Luxembourg-Italie. Hommage au Père Benito Gallo, Dudelange 1999. Einen aktuellen Forschungsüberblick sowie eine Zusammenfassung des Diskurses über die Italiener in Luxemburg bieten Amann, Wilhelm/BouRG, Viviane/DELL, Paul u.a.: Bilder und Identitäten, in: IPSE - Identités Politiques Sociétés Espaces (Hrsg.): Doing Identity in Luxemburg. Subjektive Aneignungen - institutioneile Zuschreibungen - sozio-kulturelle Milieus, Bielefeld zoio, S. 165-Z34, hier S. Z19-ZZ8. 148