alleine den Umzug in Angriff nahm, dass aber „Einzelwanderer dabei nicht selten bei Verwandten ein Unterkommen finden konnten“. Die Zuwanderer hätten dabei „in stark zunehmendem Maße familiäre »Brückenköpfe* als Logiermöglichkeiten und soziale An¬ knüpfungspunkte“ nutzen können.1” Leiner wies damit die für Ketten- und Folgemi¬ gration gültigen Mechanismen nach. Die Zuwanderung aus den beiden anderen Nachbarstaaten, Frankreich und Belgien, blieb gegenüber der deutschen Immigration bei weitem zurück. In Düdelingen lebten zur Jahrhundertwende 114 Franzosen und Z58 Belgier, 1905 waren es 102, beziehungs¬ weise 150.1910 schließlich standen 88 Franzosen 166 Belgier gegenüber.533 534 Dementspre¬ chend waren die belgische und französische Präsenz auf dem Werk überschaubar. 1909 wurden 19 Franzosen und 38 Belgier gezählt, 1913 nur noch 14 Franzosen, dafür aber 44 Belgier.535 1924 befanden sich in der Stichprobe aus den Stammrollen 32 Franzosen, das sind 4,6 Prozent der Referenzmenge. Belgier fanden sich unter den 693 ausgezählten Arbeitern gerade mal 9 (1,3%).536 Im Hochkonjunkturjahr 1929 waren es in der Stich¬ probe 46 Franzosen (3,3 %) und erneut nur neun Belgier (0,6 %).53 Während der Welt¬ wirtschaftskrise, 1932, umfasste die Stichprobe von 1.111 Arbeitern 42 Franzosen (3,8 %) sowie 13 Belgier (1,2 %).538 539 Dass die Franzosen in der Zwischenkriegszeit stärker präsent waren als die Belgier, dürfte mit dem Umstand zusammen hängen, dass nun die Loth¬ ringer und Elsässer nicht mehr separat, sondern als Franzosen aufgeführt wurden. Noch 1915 wurden in der Stammliste immerhin 340 Lothringer genannt, aber nur 204 Franzo¬ sen aus anderen Landesteilen.139 Auch 1901 waren die Lothringer gegenüber den Fran¬ zosen in der Überzahl: 272 Lothringern standen 165 Franzosen gegenüber. Die Elsässi- sche Präsenz war stets wesentlich schwächer als die der Lothringer, 1901 waren es in der Stichprobe gerade mal zehn Elsässer.540 * Die Zuwanderung zahlreicher Lothringer verlief teilweise parallel mit der Abwanderung von Luxemburgern in das Nachbarterritorium, sodass zwischen beiden ein reger Bevölkerungsaustausch bestand.1-*1 Für die französi¬ sche Zuwanderung nach Düdelingen lässt sich insgesamt festhalten, dass die Nahwan¬ derung aus der Großregion viel stärker war als die Migration über mittlere und längere 533 Vgl. Leiner 1994, S. 92-96, Zitate S. 93, Hervorhebung im Original. 53‘* Alle Zahlen nach Gallo 1987, S. 113. 535 AnLux, ADU-U1-93. 536 AnLux, ADU-U1-130. 537 AnLux, ADU-U1-135. 138 AnLux, ADU-U1-138. 539 AnLux, ADU-U1-117. Erneut sei daran erinnert, dass diese Stammrollen Zeiträume von mehreren Jahren beinhalteten, weshalb der Wert im Vergleich zu den anderen Daten über die französische Prä¬ senz sehr hoch ist. 540 AnLux, ADU-U1-113. v" Vgl. dazu Roth, François: Les Luxembourgeois en Lorraine, in: Reuter, Antoinette/SCUTO, Denis (Hrsgg.): Itinéraires croisés. Luxembourgeois à l’étranger, étrangers au Luxembourg, Esch-sur- Alzette 1995, S. 148-152. „Entre le Luxembourg et la Lorraine les relations sont constantes“, fasst Roth die Austauschbeziehungen zwischen beiden Ländern zusammen. Siehe ebd., S. 148. 147