Verbesserungsmaßnahmen folgten im Laufe der Jahre, aber die Probleme konnten nicht allesamt kurzfristig gelöst werden. Die Wohnraumproblematik blieb noch lange akut, und die Überschwemmung der Niedeschstraße, der Hauptverkehrsader Düdelingens, im jahre 1910 zeugt von dem nach wie vor bestehenden Aufholbedarf.33 Ganz allmählich zeigte sich auch so etwas wie urbanes Leben in Düdelingen. Eini¬ ge Beispiele mögen einen Eindruck des sich entwickelnden Freizeitangebots vermitteln. Gerade im musikalischen Bereich entstanden schon früh etliche Vereinigungen. 1886 gründeten 19 Mitglieder die Vorläuferorganisation der späteren „Harmonie municipale“, die sich mehrfach umgruppierte, 1911 wurde dann die „Schmelzer Musik“ aus der Taufe gehoben. In den Folgejahren wurden mit der „Biergarbechtermusik“, den Gesangverei¬ nen „Loreley“ und „Eintracht“, dem „Düdelinger Arbeiter-Gesangverein“ sowie dem Ge¬ sang- und Mandolinenverein „Venetia“ weitere musische Zusammenschlüsse ins Leben gerufen.* 338 1908 bereits eröffnete das erste Lichtspielhaus, bis 1916 folgten drei weitere.339 Auch Sportvereine wurden seit dem frühen 20. Jahrhundert zuhauf gegründet. Zur be¬ liebtesten Sportart entwickelte sich der Fußball. Drei Fußballvereine entstanden in den Jahren 1912, 1913 und 1916. Am Beispiel des Fußballs lässt sich zudem sehr deutlich der Einfluss des Hüttenwerks auf das Stadtleben demonstrieren. Zum einen stellte die AR- BED wenigstens in den Pionierjahren der aus Straßenmannschaften hervorgegangenen Clubs die Spielstätten. Zum anderen rekrutierten sich Funktionäre wie Spieler aus den Reihen des Werkspersonals. Außerdem trat das Unternehmen als Sponsor auf.3111 Auch Leichtathletik, Ringen, Schießen und weitere Sportarten fanden in der wachsenden In¬ dustriegemeinde eine Anhängerschaft.341 Neben diesen populären Sport- und Unterhal¬ tungsangeboten existierten für die damalige Zeit sehr moderne Freizeitvereinigungen wie die seit dem Ersten Weltkrieg in Düdelingen Fuß fassende Scoutbewegung.342 Erwähnenswert unter urbanistischen Gesichtspunkten ist sicherlich auch die hohe Dichte an Kneipen, Cafés und sonstigen Gaststätten, wie sie in vielen Städten mit großer Industriebevölkerung anzutreffen war. 1905 gab es in Düdelingen nicht weniger als 119 33 Zur Überschwemmung der Niedeschstraße vgl. Conrardy/Krantz 1991, S. 129 f. 338 Vgl. Friedrich, Jean: Musik - Gesang - Theater. Eine amusische Plauderei, in: Livre du cin¬ quantenaire de la ville de Dudelange 1907-1957, Esch-sur-Alzette 1957, S. 63-66, passim. 339 Vgl. Lesch, Paul: „Am Zinema“, in: Ville de Dudelange (Hrsg.): Centenaire Diddeleng 1907- 1007, Düdelingen 2007, S. 282-291, hier S. 284 f. 3,0 Zur Geschichte des Düdelinger Fußballs in seinen Pionierjahren vgl. Blau, Lucien: Kicken im Schatten der Arbed, in: Ville de Dudelange (Hrsg.): Centenaire Diddeleng 1907-2007, Düde¬ lingen 2007, S. 182-189, hier S. 183 f. Der Titel des Aufsatzes spiegelt den steuernden Einfluss des Hüt¬ tenunternehmens auf den Düdelinger Fußballsport und damit auf die in den Vereinen organisierten Arbeiter wider. vil Vgl. Blau, Lucien: Laufen, springen, ringen, schießen ..., in: Ville de Dudelange (Hrsg.): Cen¬ tenaire Diddeleng 1907-2007, Düdelingen 2007, S. 178-181. 312 Vgl. Schubert, Guy/GRAES, Rudy von: „Be prepared“, in: Ville de Dudelange (Hrsg.): Cen¬ tenaire Diddeleng 1907-2007, Düdelingen 2007, S. 190-203, hier S. 192 f. 107