die Berghänge verliefen, die Hasen und Rehe, welche in die Hausgärten aufs Kohlfres- sen eingeladen wurden, und die „bezauberndste Waldromantik“ beschrieben.300 Die schwülstig anmutenden Zeilen sind nicht untypisch für die ältere Düdelinger Heimat- forschung, wo immer wieder aut die ,Erdverbundenheit1 und Naturliebe des Ortes und seiner Bewohner verwiesen wurde. Aber auch in diesem Text bleibt der Hinweis auf den rapiden Umbruch des Stadtbilds nicht aus: „Alles scheint hier Hast und Hetze gewor¬ den und Laut und Lärm“,30 scheint der Autor fast zu klagen, und nennt wenig später den Grund dafür, dass sich „so manches gewandelt“ habe: „Die Großindustrie ist zur Historie der Stadt geworden.“ Das „Stöhnen und Stossen“ der Maschinen, der „Qualm, der pilzhaft: über den hohen Schloten schwebt“, überlagerten die Natur und die „alten, verwinkelten Gassen“.306 308 Sehr plastisch spiegelt sich in dem paraphrasierten Text die Transformation Düde- lingens von einem unscheinbaren Bauerndorf in eines der führenden Industriezentren Luxemburgs. Im Windschatten der Industrie, das heißt vor allem des Hüttenwerks und in zweiter Linie des damit eng verbundenen Erzbergbaus, expandierte die Stadt kontinu¬ ierlich, phasenweise sogar sprunghaft.309 1880, wenige Jahre bevor die ersten Hochöfen angeblasen wurden, lebten 1.598 Menschen in Düdelingen. Am Ende des Jahrzehnts waren es bereits 5.091 (1890). Bis zur Jahrhundertwende belief sich die Zahl auf 8.741, ehe 1905 die Zehntausendmarke mit 10.104 Einwohnern überschritten worden war. Die Einwohnerzahl pendelte sich in den Folgejahren, mit leichtem Rückgang während des Ersten Weltkriegs, bei diesem Wert ein, ehe 1925 12.968 Menschen gezählt wurden. Bis 1930 war die Zahl auf gut 14.700 gestiegen. Am Ende des Betrachtungszeitraums schließlich war die Einwohnerzahl mit etwa 13.600 wieder etwas niedriger.310 1880 1890 1900/01 1909/10 1919/20 1930 U 35 1.598 5.09! 8.783 10.803 10.311 14763 15.578 Tabelle 10: Bevölkerungsentwicklung Düddingens im Untersuchungszeitraum. 1 306 Alle Zitate ebd., S. 14. 307 Ebd., S. 15. 308 Alle Zitate ebd., S. 31. 309 Uber den Zusammenhang von Industrialisierung und Urbanisierung im Minettebassin vgl. Lo- RANG 1994, S. 19-23. 310 Alle Zahlen vgl. Conrardy/Krantz 1991, S. 27 f. Die Zahlen weichen in anderen lokalhisto¬ rischen Studien etwas ab, wenn auch nicht grundlegend. Leider geben die Autoren aber nicht ihre Quellen an, sodass sich die Daten nicht mehr einwandfrei nachprüfen lassen. Vgl. Blau 2007, S. 32. Hier stimmen die Daten für 1890 und 1930 mit denen von Conrardy/Krantz überein, in den restlichen Jahren gibt es Abweichungen von 15 bzw. 86 Personen in den Jahren 1900 und 1910. Vgl. außerdem Fohrmann, Jean/WEYRICH, Jean: 50 Jahre Düdelingen, in: Livre du cinquantenaire de la ville de Dudelange 1907-1957, Esch-sur-Alzette 1957, S. 33-54, hier S. 33. Hier schwanken die Abweichungen zwischen sechs und 41 gezählten Personen. 111 Zahlen in dieser Tabelle nach Conrardy/Krantz 1991, S. 27 £; außerdem Les Archives de la di- vision dARBED-Dudelange (1882-1940), S. XXL 101