allem nach 1918 zu einem dominierenden Wirtschaftsfaktor im Großherzogtum und sogar zu einem - in der Diktion des 11. Jahrhunderts gesprochen - global player. Gil¬ bert Trausch pointiert die Bedeutung des Unternehmens, wenn er schreibt: „L’ARBED est devenue le symbole de la sidérurgie [luxembourgeoise]T19’ Dabei bezieht er sich auch auf den Einfluss luxemburgischer Persönlichkeiten innerhalb des Konzerns: „Elle [l’ARBED] a toujours été dirigée par des hommes du pays!' Vor allem unterstreicht er die tragende Rolle Emile Mayrischs, der bis zu seinem Tod 1928 das Amt des General¬ direktors bekleidete.* 194 Außerdem begründet Trausch die „Verankerung [der ARBED] im Land“19'1 mit dem Argument, der Gesellschaftssitz habe sich stets in Luxemburg - zunächst in Düdelingen, dann in der Hauptstadt - befunden. Ohne Zweifel prägte die ARBED die luxemburgische Wirtschaftslandschaft der Zwischenkriegszeit wie kein anderer Konzern, doch sollte nicht übersehen werden, dass ihre Gründung einem international gültigen Mechanismus folgte. Gerade die Eisen- und Stahlbranche zeichnete sich nach der Jahrhundertwende immer stärker durch den Trend zur Konzentration und Kartellierung aus.196 198 Die ARBED resultierte, wie es die Titulatur andeutet, aus dem Zusammenschluss der Hüttenwerke von Düdelingen, Eich und Burbach. Das Startkapital des Konzerns betrug 30.622.430,19 Francs, aufgeteilt in 89.300 Aktien, deren Wert nicht festgelegt war.19 Die Beweggründe einer Fusion im großen Stil, wie sie hier erfolgte, lagen unter anderem in der Erweiterung der Kapitalba¬ sis, der Sicherung und Verbilligung der Rohstoffversorgung sowie in der Optimierung des Absatzes und der Preispolitik. Insgesamt sollte angesichts zunehmender Konkur¬ renz die Wettbewerbsfähigkeit eines Einzelunternehmens durch Beteiligung an Kartel¬ len und ähnlichen Zusammenschlüssen dauerhaft gewährleistet werden.199 Zunächst wurde die Expansion des jungen Konzerns durch den Ersten Weltkrieg ge¬ hemmt. Gleich zu Beginn des Krieges wurde Luxemburg besetzt und die Industrieunter¬ nehmen mehr oder weniger in die deutsche Kriegswirtschaft eingespannt. Zwar stellte die ARBED-Hütte Düdelingen keine Waffen her, aber sie belieferte das Deutsche Reich dennoch mit kriegswichtigem Material.199 Nach der deutschen Niederlage musste sich die luxemburgische Wirtschaft im Ganzen umorientieren. Die starke Orientierung nach Deutschland hin endete, 1921 wurde eine Wirtschaftsunion mit Belgien besiegelt. Das Düdelinger Werk war darüber hinaus von der allgemeinen Krisensituation der Nach¬ kriegszeit betroffen.200 Die ARBED überstand aber diese schwierigen Jahre und expan¬ I9Î Trausch, Gilbert: LARBED dans la société luxembourgeoise, Luxemburg 2000, S. 9. 194 Ebd., S. 12. 195 Ebd. Im französischen Original: „L’ancrage de 1ARBED dans le pays“. 196 Vgl. Kiesewetter 2004, S. 193 f. 19 Vgl. ARBED (Hrsg.) 1982, S. 109. 198 Vgl. Kiesewetter 2004, S. 193 f. 199 Vgl. Trausch 1999, S. 13. 200 Zur unmittelbaren Nachkriegsentwicklung vgl. Trausch 2000, S. 31-35. Die krisenhafte Nachkriegs¬ zeit in ihrer Auswirkung auf die Düdelinger Hütte ist in Kapitel VI noch ausführlich zu diskutieren. 78