Wesentlichen unter den deutschen Partikularstaaten Preußen und Bayern aufgeteilt. Die preußischen Kreise Saarbrücken, Saarlouis, Ottweiler, Merzig, St. Wendel10 und Saarburg gehörten zum Regierungsbezirk Trier und bildeten den südwestlichen Ab¬ schluss der preußischen Rheinprovinz. An der östlichen Grenze des Reviers wurden 1815 die bayerischen Bezirksämter Homburg und Zweibrücken eingerichtet, welche Teil des bayerischen Rheinkreises waren.11 Im Norden war zudem ein Gebietszipfel im Be¬ sitz des Großherzogs von Oldenburg und firmierte unter der Bezeichnung,Fürstentum Birkenfeld'.12 Die industriellen Schwerpunkte lagen in den preußischen Kreisen Ott¬ weiler, Saarbrücken und Saarlouis, während die nördlich und östlich davon gelegenen Gegenden als Wohngebiete und Herkunftsreservoirs der entstehenden Industriearbei¬ terschaft ebenso fester Bestandteil des Wirtschaftsraums waren.1' Der Bevölkerungsaus¬ tausch zwischen peripheren Arbeiterwohngebieten und Industriezentren lässt sich an Neunkirchen, wie noch zu zeigen sein wird, sehr anschaulich demonstrieren. Trotz älterer protoindustrieller Traditionen, an die sich anknüpfen ließ, war die Saargegend zur Zeit der politischen Neuordnung 1815 ein dezidiertes Agrargebiet.14 Von diesem Zeitpunkt an setzte die industrielle Entwicklung allmählich und schub¬ weise ein, sodass sich für die Industrialisierung der Saarregion - wie das für nahezu alle sich industrialisierenden Regionen der Fall ist - mehrere Phasen identifizieren lassen. Ralf Banken etwa arbeitet mit einem Drei-Phasen-Modell.1'’ Einer ersten Phase mit moderatem Wachstum zwischen 1815 und etwa 1830 sei demnach die „eigentliche Industrialisierungsphase“16 * zwischen 1830/35 und 1870/75 gefolgt. In diesem Abschnitt sehr hoher Wachstumsraten fiel dann auch der Take-off der Saarindustrie, der unisono nach der Jahrhundertmitte verortet wird.1 Folgt man Banken weiter, so schloss sich der 10 Der Kreis St. Wendel war bis 1834 als Teil des Fürstentums Lichtenberg im Besitz des Herzogs von Sachsen-Coburg, ehe dieser das Gebiet an Preußen veräußerte. Vgl. Behringer/Clemens 2009, S. 73. 11 1902 wurde, der gestiegenen wirtschaftlichen Bedeutung der Stadt Rechnung tragend, in St. Ingbert ein neues Bezirksamt eingerichtet. Vgl. Herrmann 1990, S. 12. 12 Zur politisch-administrativen Gliederung des Saarreviers insgesamt bis 1918 vgl. ebd., S. 11 f. 13 Im weiteren Verlauf der vorliegenden Arbeit wird die regionale Herkunft der Saararbeiter am Bei¬ spiel Neunkirchens noch intensiv thematisiert. 14 Zum ländlichen Charakter der Saarregion vor dem Einsetzen der Industrialisierung vgl. Schmitt, Johannes: Agrarische Krise und industrieller Aufbruch. Die Sozialtopographie des Saarraums, in: Dülmen, Richard van (Hrsg.): Industriekultur an der Saar. Leben und Arbeit in einer Industrieregion 1840-1914, München 1989, S. 16-27, hier S. 17-21. 15 Vgl. Banken 2002, S. 97 ff. 16 Ebd., S. 98. 1 So etwa bei Sander, Michael: Geschichte des Landes an der Saar, in: Künzel, Werner/RELLECKE, Werner (Hrsgg.): Geschichte der deutschen Länder. Entwicklungen und Traditionen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Münster 220o8, S. 303-315, hier S. 308; BEHRINGER/CLEMENS 2009, S. 77. Zur früheren Phase der Industrialisierung vgl. BURG, Peter: Unter neuen Herren - Die Saarregion zwi¬ schen 1815 und 1850, in: Herrmann, Hans-Christian/SCHMITT, Johannes (Hrsgg.): Das Saarland. Geschichte einer Region, St. Ingbert 2012, S. 111-160, hier S. 128-144. 46