verhandelten Städten kaum Austausch festzustellen war.63 Dennoch sind Leiners Ar¬ beiten von großer Relevanz, da sie sehr anschaulich die sozialen und demographischen Transformationsprozesse in der Region aufzeigen und dabei sowohl das Saarrevier als auch Luxemburg in den Blick nehmen. Teilweise sehr gut aufgearbeitet sind die industriellen Beziehungen zwischen Unter¬ nehmertum und Arbeiterschaft. Dies gilt besonders für den Neunkircher Fall. Die Per¬ son und die Politik Karl-Ferdinand Stumms weckten immer wieder das Interesse der Forschung. Betont wurde in der Regel das für Stumm so essentielle Zusammenspiel von Sozialpolitik und Repression.64 Allerdings wurde die Arbeiterpolitik Karl Ferdinand Stumms oftmals zu einseitig und den sozioökonomischen Bedingungen des Industri¬ alisierungszeitalters unangemessen als Ausdruck eines unternehmerischen ,Patriarcha¬ lismus1 dargestellt.65 Diese Sichtweise soll kritisch diskutiert, relativiert und ergänzt werden. In Luxemburg legte vor allem Antoinette Lorang fundamentale Studien zur betrieblichen Arbeiterpolitik vor.66 Lorang fragte vor allem am Beispiel der betriebli¬ chen Wohnraumpolitik nach den Intentionen und Motivationen der Fabrikherren bei der Konzeption ihrer Arbeiterpolitik. An beiden Orten und in beiden Revieren fehlen bislang eine profunde Analyse der Arbeit im integrierten Eisen- und Stahlbetrieb so¬ wie eine synthetisierende Zusammenführung der einzelnen Felder, die angesichts der Reziprozität der Teilbereiche und Handlungsfelder zwingend notwendig sind, um die sozialen Strukturen, Relationen und Mechanismen in der Eisen- und Stahlindustrie ver¬ stehen zu können. An beiden untersuchten Orten kann die vorliegende Studie schließlich auf eine ergiebige lokal- und stadtgeschichtliche Forschung aufbauen. In Neunkirchen leisteten 63 Leiner 1994; Leiner 1995. 64 Unter der den zahlreichen Publikationen rund um die Person Stumms, die seine Bedeutung als Un¬ ternehmer, seine Arbeiterpolitik und seine politische Laufbahn behandeln, seien erwähnt: Ascher, Abraham: Baron von Stumm. Advocate of feudal capitalism, in: Journal of central European affairs 3 (196z), S. 271-285; Bierbrauer, Peter: Karl Ferdinand von Stumm-Halberg in seiner Epoche, in: Knauf, Rainer/TREPESCH, Christof (Hrsgg.): Neunkircher Stadtbuch, Neunkirchen 2005, S. 119— 126; Brakelmann, Günter: Carl-Ferdinand Stumm (1836-1901). Christlicher Unternehmer, Sozial¬ politiker, Antisozialist (SWI-Studien, Bd. 13), Bochum 1993; Hellwig 1986; Hellwig, Fritz: Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg 1831-1901, Heidelberg/Saarbrücken 1936. Zur betrieblichen Sozialpolitik im Stummschen Werk: Banken, Ralf: Saarabien und Königreich Stumm - Die Saar¬ region als Musterland einer patriarchalischen betrieblichen Sozialpolitik?, in: Zeitschrift für die Ge¬ schichte der Saargegend 49 (2001), S. m-146; Gillenberg, Heinz/BiRTEL, Rudolf/MEiSER, Gerd: Neunkircher Hüttenhäuser (Neunkircher Hefte, Bd. 8), Neunkirchen 1986. 65 So etwa bei Hellwig 1986. 66 Lorang, Antoinette: L’image sociale de 1ARBED ä travers les collections du Fonds du logement, Luxembourg 2009; Lorang, Antoinette: Luxemburgs Arbeiterkolonien und billige Wohnungen, 1860-1940, Luxemburg 1994. Eine Überblicksdarstellung über die Arbeiterpolitik der ARBED bietet: Schmitz, Nadine: Le Paternalisme social d’Emile Mayrisch, Paris 1989 (unveröffentlichte Examensar¬ beit). Letztere Arbeit ist in der Nationalbibliothek Luxemburg einsehbar. 26