sen ungemein produktiv war, kann die vorliegende Studie aus einem breiten Fundus an Theorien, Konzeptionen und Methoden schöpfen.41 Interessanterweise entstanden just in dem Moment, als die allgemeine Arbeiterge¬ schichte im Rückzug begriffen war, wichtige Studien zur Geschichte der Hüttenarbei¬ ter, die allerdings auch auf Vorleistungen zurückgreifen konnten. So arbeitete Hartmut Pietsch bereits in den 1980er Jahren die grundlegenden Merkmale der Arbeitssituation im Hüttenwerk heraus,42 während sich Elisabeth Domansky-Davidsohn der Frage der gewerkschaftlichen Organisierbarkeit der Hüttenarbeiter im zentralisierten Großbe¬ trieb widmete.43 Der US-amerikanische Historiker Barrington Moore betonte in ei¬ ner 198z in der deutschen Übersetzung erschienenen Studie die Unterschiede zwischen Berg- und Hüttenarbeitern und umriss somit wenigstens in Ansätzen ein eigenständi¬ ges Profil der Eisen- und Stahlarbeiterschaft:,44 Aus der französischen Forschung sind die ebenfalls in den 1980er Jahren erschienenen Arbeiten von Serge Bonnet zu nennen, der sich mit den Hüttenarbeitern im lothringischen Minetterevier befasst hat.45 Entscheidende neue Impulse erhielt die Hüttenarbeiterhistoriographie dann im Folgejahrzehnt, als besonders Thomas Welskopp, dessen Augenmerk den Kooperati¬ onsstrukturen im Hüttenwerk und ihren Auswirkungen auf das Gruppenverhalten der Hansjörg: Geschichte und Ökonomie nach der kulturalistischen Wende, in: Geschichte und Gesell¬ schaft 25 (1999), S. 276-301. 41 Eine Zusammenstellung der wichtigsten Literatur und eine Übersicht über die wichtigsten Paradig¬ men, Themen und Fragestellungen der Arbeiterhistoriographie liefert ein von Klaus Tenfelde 1986 he¬ rausgegebener Sammelband: Tenfelde, Klaus (Hrsg.): Arbeiter und Arbeiterbewegung im Vergleich (Historische Zeitschrift, Bd. 15), München 1986. Die Konjunkturen der deutschen Arbeiterhistoriogra¬ phie gleichen durchaus denjenigen in Frankreich, wo sich die Fragestellungen ebenfalls, von organisati¬ onsgeschichtlichen Ansätzen ausgehend, sozialgeschichtlich erweiterten. Vgl. dazu Ceamanos Llo- rens, Roberto: The Labour History in France, in: Storia della Storiografia 49 (2006), S. 63-75, passim. Gleiches gilt zum Beispiel auch für spanische Arbeitergeschichtsschreibung, wo sich die Durchsetzung modernisierter Ansätze aufgrund der Franco-Diktatur allerdings verzögerte. Vgl. dazu Ceamanos LlorenS, Roberto: L’historiographie sociale ouvrière française et espagnole: continuités et ruptures (1870-1982), in: Storia della Storiografia 54 (2008), S. 114-133. 42 Pietsch, Hartmut: Die Feuerarbeiter. Die Arbeitsverhältnisse in der Duisburger Großeisenindust¬ rie vor dem 1. Weltkrieg, in: Heid, Ludger/ScHOEPS, Julius H. (Hrsgg.): Arbeit und Alltag im Revier. Arbeiterbewegung und Arbeiterkultur im westlichen Ruhrgebiet im Kaiserreich und in der Weimarer Republik (Duisburger Forschungen, Bd. 33), Duisburg 1985, S. 166-198. 43 Domansky-Davidsohn, Elisabeth: Der Großbetrieb als Organisationsproblem des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes vor dem Ersten Weltkrieg. Studien zu gewerkschaftlichen Organisationspro¬ blemen im Reich und an der Ruhr, in: Mommsen, Hans (Hrsg.): Arbeiterbewegung und industrieller Wandel, Wuppertal 1980, S. 95-116. 44 Moore, Barrington: Ungerechtigkeit. Die sozialen Ursprünge von Unterordnung und Widerstand, Frankfurt 1982, bes. S. 346-367. 45 Bonnet, Serge: La ligne rouge des hauts fourneaux. Grèves dans le fer lorrain en 1905, Paris 1981: Bonnet, Serge: L’homme de fer. Bd. 1:1889-1930, Nancy 1986. 22