ration und Bevölkerungsaustausch zustande kam.1'1 Die von Leiner vertretene Konzep¬ tion eines sozialen Raumsxb soll unter einem anderen Blickwinkel übernommen werden, indem die sozialen Transformationsprozesse im Gefolge der Industrialisierung sowie die gesellschaftlichen Grundkonstellationen industrieller beziehungsweise sich industriali¬ sierender Gesellschaften an zwei exponierten Industriegemeinden der Region verglei¬ chend diskutiert werden. Von besonderem Interesse sind dabei neben der Binnenstruk¬ tur der Arbeiterpopulationen die industriellen Beziehungen zwischen Unternehmertum und der wachsenden Hüttenarbeiterschaft. In Neunkirchen und Düdelingen entwickel¬ ten sich typische sozioökonomische Konfigurationen und Relationen, wie sie die indus¬ trielle Städtelandschaft im Montandreieck Saar-Lor-Lux kennzeichneten. Jene sozio- ökonomischen Konfigurationen erfuhren bislang nicht die gleiche Aufmerksamkeit, die etwa der rein wirtschaftlichen Entwicklung des Raumes entgegen gebracht wurde.1 Die Genese und Entwicklung der beiden hier fokussierten Arbeiterbevölkerungen soll über mehrere Jahrzehnte und etliche krisenhafte Umbrüche hinweg nachgezeichnet und analysiert werden. Das Ende des Betrachtungszeitraums fällt mit der Rückgliede¬ rung des Saargebiets an das Deutsche Reich 1935 beziehungsweise mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Luxemburg 1940 zusammen. Die vergleichende Untersuchung im engeren Sinne setzt zwar erst in den 1880er Jahren mit der Implementierung der Dü- delinger Hütte ein.15 18 Da aber das Neunkircher Eisenwerk auf eine viel längere Tradition zurückblickte,19 muss der Zeitraum bisweilen ausgeweitet werden, da spätere Entwick¬ lungen oft nur unter Berücksichtigung der Vorgeschichte zu erklären sind. b) Fragestellungen und Erkenntnisinteresse Die vorliegende Studie verfolgt eine übergeordnete Leitfrage und mehrere damit eng verknüpfte Teilfragen. In erster Linie sollen Determinanten, Möglichkeiten und Formen politischer und gesellschaftlicher Partizipation von Eisen- und Stahlarbeitern untersucht werden. Die Arbeiterschaft der zentralisierten Hüttengroßbetriebe soll in diesem Zu¬ 15 So in Leiner 1994. Terminus nach Leiner, Stefan: Wanderungsbewegungen im saarländisch-loth¬ ringisch-luxemburgischen Grenzraum 1856-1914, in: Leboutte, René/LEHNERS, Jean-Paul (Hrsgg.): Passé et Avenir des Bassins Industriels en Europe (Cahiers d’histoire, Bd. 1), Luxembourg 1995, S. 121- 158, hier S. in. 16 Zu diesem Konzept folgen weiter unten noch einige Ausführungen und Erklärungen. 1 So etwa in der mittlerweile als kanonisch zu bezeichnenden Studie von Banken, Ralf: Die Indust¬ rialisierung der Saarregion 1815-1914. Band z: Take-Off-Phase und Hochindustrialisierung 1850-1914 (Regionale Industrialisierung, Bd. 4), Stuttgart 1003. 1S Zur Gründung des Diidelinger Werks in den 1880er Jahren vgl. Conrardy 1991, S. 20-30; außer¬ dem ARBED (Hrsg.): Dudelange. L’usine centenaire 1882-1982, Luxemburg 1982, S. 15-36. Der erste Hochofen nahm 1885 seinen Betrieb auf. Siehe ebd., S. 36. 19 Vgl. Meiser, Gerd: Stahl aus Neunkirchen. Zur Geschichte des Neunkircher Eisenwerkes, Saarbrü¬ cken 1982, S. 7-12. 15