Das Hüttenwerk Düdelingen, ab 1911 Stammsitz des global agierenden ARBED- Konzerns, und das Neunkircher Eisenwerk waren nicht zuletzt auch die größten Ar¬ beitgeber vor Ort. Beide Unternehmen zählten konstant mehrere Tausend Beschäftigte, die sich zu einem großen Teil in den Städten selbst ansiedelten.6 * Die Hüttenarbeiter¬ schaft stellte damit in soziodemographischer Hinsicht über Jahrzehnte hinweg einen be¬ trächtlichen Anteil beider Stadtbevölkerungen: Die ehemals agrarisch geprägten Dörfer Neunkirchen und Düdelingen entwickelten sich im Zeitalter der Industrialisierung zu veritablen Arbeiterstädten. Obwohl der Hüttenarbeiterschaft; in den hier verhandelten Industriegemeinden also ein enormes soziales und demographisches Gewicht zukam, ist ihre wissenschaftliche Berücksichtigung bis zum heutigen Tag unbefriedigend. Für das Saarrevier brachte dies Stefan Leiner in seiner 1994 publizierten Dissertation auf den Punkt: „Die Geschichte der Bergarbeiterschaft an der Saar im 19. und frühen 10. Jahrhundert wurde in der historiographischen Literatur [... ] schon recht umfassend dargestellt, während entspre- en zu seiner Person sowie zu seinem wirtschaftlichen, sozialen und politischen Wirken seien an dieser Stelle erwähnt: HELLWIG, Fritz: Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg, in: Neumann, Peter (Hrsg.): Saarländische Lebensbilder. Band 3, Saarbrücken 1986, S. 153-198; Jacob, Joachim: Carl Fer¬ dinand Stumm. Hüttenbesitzer und Politiker, in: DÜLMEN, Richard van/jACOB, Joachim (Hrsgg.): Stumm in Neunkirchen. Unternehmerherrschaft und Arbeiterleben im 19. Jahrhundert. Bilder und Skizzen aus einer Industriegemeinde (Saarland-Bibliothek, Bd. 5), St. Ingbert 1993, S. 13-38. Die her¬ ausragende Gestalt in Düdelingen war Emile Mayrisch, der im Gegensatz zu Stumm nicht Eigentümer, sondern angestellter Direktor der Hütte war. Zu Mayrisch vgl. Barthel, Charles: Emile Mayrisch, in: Kmec, Sonja/MAJERUS, Benöit/MARGUE, Michel u.a. (Hrsgg.): Erinnerungsorte in Luxemburg. Umgang mit der Vergangenheit und Konstruktion der Nation, Luxemburg 2008, S. 97-102.; Trausch, Gilbert: Le maître de forges Emile Mayrisch et son épouse Aline. Puissance et influence au service d’une vision, Luxemburg 1999. In der vorliegenden Studie sind besonders die arbeiterpolitischen Konzeptio¬ nen beider Unternehmer von großem Interesse. 6 Auf dem Neunkircher Eisenwerk arbeiteten am Vorabend des Ersten Weltkriegs mehr als 5.100 Men¬ schen, in Düdelingen, das etwas weniger als ein Drittel der Einwohnerzahl von Neunkirchen hatte, waren im gleichen Zeitraum mehr als i.ioo Personen beschäftigt. Beschäftigtenzahlen von Neunkir¬ chen nach: StA Nk, Dep. Saarstahl AG, 119-1-6-1911-40. Die Düdelinger Zahl wurde einem älteren Findbuch, das die im Nationalarchiv Luxemburg (AnLux) lagernden ARBED-Bestände verzeichnet, entnommen: Les Archives de la division d’Arbed-Dudelange (1882-1940). Inventaire, Luxembourg o. J., S. XII. Die Düdelinger Daten stimmen mit einer werksinternen Personalstatistik aus dem Jahr 1913 überein: AnLux, ADU-U1-93. Sehr aussagekräftig mit Blick auf die sozioökonomische Transformation beider Städte im Unter¬ suchungszeitraum sind die Titel beziehungsweise Untertitel einiger lokaihistorischer Darstellungen. Beispielhaft zu nennen sind: Conrardy, Jean-Pierre/KRANTZ, Robert: Dudelange. Passé et présent d’une ville industrielle. Tome I: Bourg agricole - Ville moderne, Luxembourg 1991; Jacob, Joachim: Vom Bauerndorf zum Industrieort. Neunkirchen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Hude¬ mann, Rainer/WiTTENBROCK, Rolf (Hrsgg.): Stadtentwicklung im deutsch-französisch-luxembur¬ gischen Grenzraum (19. und 20. Jahrhundert) (Veröffentlichungen der Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung, Bd. 21), Saarbrücken 1991, S. 21-34. 12