26 herzen, die Geliebte vor der grundlosen Nachrede „verbotener Vertraulich- keit mit ihm" zu retten. Die Schranke fällt, da ihr Gemahl sie, die soeben ihr herz „dem Gesetz und der Kirche" geopfert, durch die gemein ausgedrückte Be- schuldigung der Buhlschaft mit Königsmark tätlich beleidigt und auch noch körperlich verletzt. Damit bricht die morsche Ghe zusammen. Dies Leid macht die Liebe frei. Nun binden keine Rücksichten mehr die edelsten Gefühle ihres Lebens. Christine erhebt sich über die Anschauung jener Zeit von der absoluten Giltigkeit der Ehesatzung für die Frau. „Sie haben mich der Zuneigung zu ihm beschuldigt, als ich pflichten hatte, frei bin ich jetzt, und ich will werden, wofür die Menschen mich hielten." Sie sieht ein, daß nunmehr die Hingabe an Königsmark das Gebot höherer Sittlichkeit, des heiligen Geistes der Natur sei, und wird in dieser Rufsassung durch „Leibnitz" bestärkt, der ihr die Wahlverwandt- schaft im Sinne der praestabilierten Harmonie deutet. Reizvoll und menschlich-natürlich wird dargestellt, wie sie kraft der Gewohnheit nicht mit einemmale ihre bisherige Lebensanschauung völlig abstreifen kann und vor der Bezeichnung „Liebe" für ihre Empfindung zu Königsmark noch zurückscheut. „Suche für mich und den Grafen kein Wort, bat sie beschämt, ohne Namen, ohne Begriffe soll mein herz glücklich sein." Sehr fein bekennt sie sich erst dann rückhaltlos, offen und voll zu dem Geliebten, als sie seinen Tod erfährt, der dem Verhält- nis allen Erdenrest nimmt. Doch das Wort, das sie dem Toten gegeben, hat für den Lebenden Bestand. Sie entschließt sich zur Flucht mit dem Tot- geglaubten, der glücklich heimgekehrt. Ruch jetzt noch ist „ein banges Gefühl der Weiblichkeit" zurückgeblieben: sie will sich in einem Kloster bergen, und Königsmark soll sich eine Wohnung daneben suchen. „In einsamen Nächten solltest Du mich durch Lied und Saitenspiel an das Fenstergitter locken, aus meinen Harfentönen meine Liebe verstehen und glücklich sein, da Du mich glücklich wußtest." Freilich wird diese Unnatur bald zur Natur durch das Liebesstürmen des Grafen und die Schlage ihres eignen Herzens. Die Flucht wird vereitelt durch die Gräfin platen. Ihr handeln resultiert folgerichtig aus ihrer heißen, stark sinnlich gefärbten Liebe zu Königsmark. Rus der Rblehnung derselben zu gunsten der Prinzessin ergibt sich mit Notwendigkeit der Umschwung in haß und Eifersucht, mit Notwendigkeit die Vernichtung des Liebespaars. Diese Konzentration, Vertiefung und Verklärung der überlieferten Ruffassung zeigt einen Dichter am Werk, wie auch die Gestaltung des Eindrucks von Königsmarks Tod auf beide Frauen.