25 — „Christine" heißt sie hier — unter dem Bilde der Jungfrau Maria, dar literarische Gewand: die Novelle. Daneben wirkt noch kräftig Sturm und Drang. Offenbar durch Vermittelung der einen Ouelle, des Dramas Ueitzensteins. hieraus floß die Nousseau'sche Sehnsucht nach dem seligen coin du monde, die die Liebenden erfüllt, der Gedanke des Standesunterschieds, die Verfechtung der Souveränität des Herzens. Neben zahlreichen Gedanken auch Charakter und handeln der Vertrauten der Prinzessin, die als Schutzgeist der Liebenden auftritt, und der Freund und Mentor Königsmarks, dort Wilhelm, hier Prinz Karl von Hannover. Indem Worosdar diesen zum passiven Liebhaber der Prinzessin machte, gab er ihm verstärkt die Wesensart von Veitzensteins Helden. Ruch die empfindsame Freundschaft Varls und Königsmarks stammt aus der Zeit, wo man „harmonisch schlagende" Herzen und hornene Lorenzodosen tauschte. Die „Histoire secrette“ und Kramers „Denkwürdigkeiten der Gräfin Maria Rurora Königsmark" (1836) — eine Sammlung von nicht immer echten Dokumenten aus dem Jahr der Katastrophe (1694) — stellten den äußeren verlaus, Menantes den Vornamen der platen, „Rdine", ihr Liebeswerben um Königsmark, das sich bis zur koketten Enthüllung ihrer Reize versteigt, die Lebensrettung der Prinzessin im celler Walde durch den Jugendfreund und dessen Kriegszug. Zur Vermittlerrolle, die bei Menantes die redende Kunst spielt, kommt hier die der tönenden und bildenden Kunst. — Rus allen Vorlagen aber hob der Rutor im wesentlichen nur die triebkräftigen Motive heraus und verwob und vertiefte sie im Sinne eines Problems, einer Idee, die hier zum erstenmale in der erzählenden Literatur sichtbar und klar die Gegebenheiten durchleuchtet. Und darin liegt die historische Bedeutung dieser Novelle. Cs ist die Idee der sitt- lichen Selbstbefreiung der Prinzessin, ihres Durchringens von Konvention zur Selbstbestimmung, die nicht ohne psychologische Kunst in die Realität umgesetzt wird: Trotzdem Christine von Celle das Gpfer der Politik geworden ist, von ihrem Gemahl seiner Mätresse Henriette aufgeopfert und kalt und herzlos behandelt wird, bemüht sie sich nach besten Kräften, eine wahre Gattin zu sein. Daher weist sie die Liebe ihres Jugendfreundes Königsmark zurück, obwohl sie ihm gleiche Gefühle entgegenbringt. Der Rutorität der Sitte sich beugend widmet sie ihm nur die „Sympathie des Geistes", als er sein Leben gegen die Türken wagt, um sich selbst vor seinem