19 tritt der Kurprinz, von der Mätresse benachrichtigt, in die Tür. U)as seine Bugen sehen, glaubt sein herz. Drum können ihn die Unschulds- versicherungen seiner Gattin, die Fürbitten seiner — ebenfalls edlen — Mutter nicht abhalten, Königsmark ins Gefängnis zu werfen und die Ehescheidung einzuleiten. — Bei dem Interesse, das seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts Frankreich — und in der Folge auch Deutschland — für das Land jenseits des Kanals zeigte, durste Limiers Buch auf günstige Aufnahme hoffen, zumal das Interesse des Tages für den kürzlich verstorbenen^) Georg !. dazukam, und die Feder des Verfassers unterhaltend schrieb. ähnliches trifft für die zweite romanhafte Bearbeitung unseres Stoffes in französischer Sprache zu, die 1732 anonym erschienene „Histoire secrette de la duchesse d’Hanover. Epouse de Georges premier, roi de la Grande-Bretagne. Les malheurs de cette infortunée princesse, sa prison au chateau d’Alhen (!) ou elle a fini ses jours; ses intelligences secrettes avec le comte de Konigsmarck, assassiné a ce sujet.“50) Dieses Produkt setzt sich aus drei Faktoren zusammen: der Gctaviaepisode, der „princesse de Elèves" der Gräfin La Fayette und kleinen eignen Zutaten des Ver- fassers.5^) Die beiden Vorbilder wurden oft nahezu wörtlich übernommen.^) Das erste lieferte den Kern, das zweite die Schale. Nicht imstande, die Be- gebenheiten Unton Ulrichs mit innerem Leben zu erfüllen, beschränkte sich der Butor darauf, sie mit der Umweltschilderung der La Fayette auszuputzen. Da die Geschichte der Prinzessin von Bhlden der der „princesse de Elèves" ähnlich war55), mußte die „Histoire secrette“ dem oberflächlichen Leser, dem der Stofs, nicht die feine Seelenkunst der La Fayette ausschlaggebend war, als gelungene Nachbildung des berühmten „ersten psychologischen Nomans der Franzosen" erscheinen. Die eignen Beiträge des Verfassers schlagen meist nicht zum Vorteil aus: die genauere Motivierung wird Pedanterie, die hinzufügung un- nötiger historischer Glossen stört den Fluß der Erzählung, die Dialogi- sierung des Berichts Bnton Ulrichs ist bombastisch, die „Veredlung" der Eharaktere, — die z. B. Königsmark von dem Verkehr mit der platen ver- schweigen läßt, „was zu verschweigen war", im übrigen nur in nichtssagenden Zusätzen, wie „tugendhaft", „edel" besteht — führt wie bei Limier zuweilen zu Bnachronismen. Im Gegensatz zu der frischen, von Überschwang freien Brt Unton Ulrichs, und gar der französischen Gräfin, regt sich wie bei vielen roman- 3*