11 1695 entstandene ziemlich zutreffende „Relation" w) über die Angelegen- heit gerade in seinem Wohnsitz Hamburg vorlag — abgesehen von mündlicher Mitteilung — begnügte sich Menantes, nur sehr lose in den betreffenden geschichtlichen Rahmen literarische Vorbilder einzuspannen. Diese waren: die tugendsam Liebenden des modischen heroisch-galanten Romans, die noch vom Rmadisroman geerbten Abenteuer, Rümpfe, Entführungen, Rettungen, Zaubereien, außerdem die lüsternen Situationen hofmanswaldaus. Die Arbeit wurde dadurch noch erleichtert, daß Menantes das Meiste schon bei seinem literarischen Debüt — „Die verliebte und galante Welt", Weißenfelser Skandalgeschichten — erprobt hatte. Er kopiert also vielfach sich selbst. Die obendrein oft wiederholte Wiederholung der alten, teils recht ärmlichen Motive langweilt zutode, wenigstens den heutigen Leser, der es unternimmt, sich durch den dick- leibigen Folianten durchzuringen. Die Iugendbeziehungen Oernarsigs (Anagramm für Rönigsmark) zur Prinzessin Oorirnene von Alterona (Sophie Dorothea von Celle a. d. Aller) treten gleich hier als wirksam präludierendes Motiv auf, dessen liebevolle Ausgestaltung besonders die breite Technik des Romans recht wohl verträgt. Da nur die Tatsache, nicht die Einzelheiten des Verhältnisses kolportiert wurde, hatte der schöpferische Geist freie Rahn für seinen Pegasus. Der gequälte Arbeitsgaul des Menantes — der mehr fami, denn famae dies Feld beackerte — war froh, ausgetretenen Pfaden folgen zu können. Den Pfaden Heraldos und Selimenens. Ähnlich wie dieses paar des Erstlingswerks üben Oemarsig und Dori- mene die ars amandi: Ungemein schwerfällig dort wie hier wird die Bekanntschaft der Liebenden vermittelt. Der „ansehnliche und galante“ Cremarsig vertraut seine auf den ersten Blick erworbene, wegen des Standesunterschieds aussichtslose Liebe — als „großer Liebhaber von was poetischem" in gebundener Rede — seiner Schreibtasel an und verliert sie schleunigst. Wiedergefunden zeigt sie ihm eine gereimte Gegenäußerung der Geliebten, die ihn resigniert ihrer Freundschaft versichert und ermahnt, seine Ge- fühle vor dem Hofe zu bergen. Das beherzigt er, so schwer es ihm ankommt, bei den Begegnungen ganz besonders, da er erfährt, seine Angebetete sei dem Prinzen Friderico vom Burgunesischen Hause (August Friedrich von Braunschweig-Wolfenbüttel) verlobt worden; wider ihren Willen (daher der Zug stiller Schwermut auf dem Antlitz, der ihr als echter „Romanfigur" nicht fehlt). 2*