Praktik. 3. Philosophie der Erziehung. 533 wenn wenigstens darunter gemeint ist: Erziehung des Men- schen durch den Menschen. Sondern dies letzte, stärkste Er- ziehen hat wohl Gott sich Vorbehalten. Dennoch, nein eben damit, bleibt dies Sich-bilden freies Sich-selbst-schaffen zum Menschen, sich selbst Befreien zu seinem Menschsein. Das schließt aber Führung und Sich-führen-lassen nicht aus, sondern fordert es vielleicht mehr als alles; denn, wie schon gesagt, nur der Schaffende führt, und nur, der so sich zu seiner Freiheit geführt weiß, folgt willig der Führung, die ihm selbst Befreiung bedeutet. Damit aber geht nun die Gemeinschaft von Mensch zu Mensch zurück bis in die tiefste Lebenswurzel. Der ,,Geist“, als Genius, wird Führer zum Tode, zu dem Tode, aus dem erst das wahrste Leben auflebt. Dies tragische Moment bringt Religion hinzu. Gerade in ihm aber wurzelt erst die tiefste, die erziehendste Gemeinschaft. In ihr über- nimmt Gott die Führung und die Erziehung; er hat sie keinem irdischen Vertreter, weder einem Einzelnen noch einer er- ziehenden Gemeinschaft (Kirche) übertragen. Dagegen hat der Protestantismus stets protestiert; und wenn er selbst über dem bloßen Protestieren leider vielfach den vollen Sinn und Gehalt der Erziehung durch den Geist verloren und da- durch sich selbst gelähmt und geschwächt hat, — der Prote- stantismus selbst bleibt doch im Recht. Er wird nicht ver- stummen, er wird gerade in den gottinnigen Menschen sich immer neu erheben und zuletzt durchdringen. Wenn eine irdische Vertretung dieser göttlichen Erziehung genannt werden soll, so ist es, was ich Schickung nannte; Schickung, nicht Schicksal, denn es ist göttliche Führung des Men- schen in seiner irdischen Bahn; es ist die Führung der Tragik seines Menschseins, die sich vollendet im befreienden Tode des dem Irdischen verhafteten Menschen zum echteren Leben in der Erlösung von den Banden der Endlichkeit und Er- weckung zum Leben im Ewigen, zum Leben des Ewigen in ihm. Das weiß freilich nur, wer es erlebt.