Praktik, i. Wirtschaftsphilosophie. 417 sen, freilich nicht ebenso sicher auch da zu finden ist, wo das Zusammenwirken erst der Vermittelung bedarf. Aber der Urtrieb zur Gemeinschaft erweist sich doch stark genug auch dann und behauptet sich mit wachsender seelischer Blickweite dann auch weit hinaus über die engsten, natur- gegebenen Grundbeziehungen. Diese haften übrigens von Anfang an keineswegs an der Paarung und der Mutterliebe allein, sondern am Ganzen des unmittelbaren Zusammen- arbeitens, Zusammenwirtschaftens, überhaupt Zusammen- lebens. Mit einem Wort: Gemeinschaft ist das Erste, Gesell- schaft ist das Zweite. Diese allerdings entspringt im allge- meinen erst aus dem Kampf. Aber sie würde aus ihm nicht entspringen können, wenn nicht der Zug zur Gemeinschaft überhaupt schon da und wirksam wäre. Der Kampf selbst schließt fast stets ein Moment der Gemeinschaft schon ein. Daß dagegen allgemein Feindschaft, Druck und Zwang von außen überhaupt erst ein Zusammenleben und Zusammen- arbeiten und nur hinterher durch dieses auch etwas von Zu- sammengehörigkeitsbewußtsein hervorbrächte, kann ich nicht für richtig erkennen. § 164, Unserem Zeitalter, scheint es, ist durch eine ganz unnatürliche, geradezu selbstmörderische Steigerung und fast gewaltsame Heranzüchtung der Eigensucht und dadurch tatsächlich erfolgte tiefe Erschütterung aller Gemeinschafts- beziehungen fast das Verständnis abhanden gekommen für den ursprünglichen Gemeinschaftszug, der ein mensch- liches Gemeinleben von jeher überhaupt nur möglich gemacht und durch es selbst sich dann immer wieder erzeugt hat. Ge- naueres Geschichtsstudium, im vollen Einklang mit dem Studium des Lebens primitiver Völker, enthüllt indessen immer von neuem, daß durch die Jahrtausende durch, so weit irgend unsere Kunde reicht, Gemeinschaft allüberall in der Menschheit vorhanden gewesen und das Übergewicht behauptet haben muß, daß sie auch durch oft härteste Natorp, Vorlesungen über prakt. Philosophie. 27