Grund kategorien. 67 § 28. Wir sprechen von Leben. Was ist Leben? Hier sind zwei Begriffe streng auseinander zu halten. Die sehr losen, ungenauen Ausgrenzungen aus der unendlichen Ver- flechtung des Gesamtgeschehens, die wir Leben des einzelnen Lebendigen zu nennen gewohnt sind, sind gewiß nichts, was unangreifbar in sich Bestand hätte. Wir sehen vielmehr, daß es fort und fort sich wandelt, neubildet, wächst, allmählich abstirbt und endlich ganz vergeht. Aber doch auch jedes Mindeste an ihm, welches sich uns, weil wir es an uns selbst so kennen, als ein Zeichen des Lebens zu erkennen gibt, muß wohl entstammt sein aus — und in Zusammenhang stehen mit — dem anderen, großen Leben, von dem es höchstens ein einzelner Atemzug, eine flüchtige Zuckung ist, welches selbst aber, eben weil für es keine solche äußerliche Abgrenzung gilt, wie für das Einzelne, das wir einLebendiges nennen, auch nicht dem gleichen Zwange des Kreislaufs von Geburt »Wachs- tum, allmählichem Absterben und dann gänzlichem Totsein unterliegt, sondern, als Quell alles Lebens selbst — nicht ein Lebendiges neben anderem, aber das Leben selbst ist und darum des Einmal-geworden-seins und Einmal-nicht-mehr- seins nicht teilhaftig sein kann. Es gäbe aber auch nicht ein Leben, wenn es nicht das Leben gäbe. Das Leben lebt aus sich, todlos, sterbensunfähig. Aber auch, was nur ein Leben ist oder ein Leben hat, muß doch (so folgert Plato) teilhaben an dem Leben „selbst" und an seiner Unsterblichkeit, Ster- bensunfähigkeit. Es (das Leben) spricht in ihm (dem ein- zelnen Lebendigen), in seiner unleugbaren, ihm selbst lebendig bewußten Eigenheit, unvertauschbaren Einzigkeit, Indivi- duität. Es offenbart sich in ihm, zum mindesten ihm selbst, in der ihm ureigenen inneren Determination, Gerichtetheit, Hingestimmtheit, Intention auf die Alleinheit des Lebens. Die überendlich-individuale Einheit des Lebens fordert in ihm sich selbst, und fordert nicht bloß, sondern weiß sich; sonst wüßten wir nicht, wüßte überhaupt niemand und nichts um 5*