24 Kap. I. § 12. § 12. Noch eines sei in diesem Zusammenhang von neuem betont (denn ausgesprochen wurde es schon), damit über den Sinn dieser ganz fundamentalen Festlegung der drei Grundphasen des „Es gibt“, auf der alles Weitere beruhen soll, ja kein Zweifel und keine Möglichkeit des Mißver- stehens bleibt, nämlich daß die meist in der Philosophie be- sonders des letzten oder der zwei bis drei letzten Jahr- hunderte für schlechthin fundamental angesehene Scheidung in das Subjektive und Objektive, in das Gegenüber von Denken und Sein nicht etwa unserer Aufstellung der drei Grundphasen des Seins schon zugrunde liegt, sondern allen- falls mit ihnen in ihrer weiteren Entwicklung, ja erst in der letzten oder vorletzten Dimension dieser Entwicklung her- vorgehen soll. Die letzte Wirklichkeit, nach der wir fragen, liegt oberhalb aller, also auch oberhalb dieser Entgegen- setzung. Im Grunde wird es auch von jeder ernsten Philo- sophie so gedacht. Beides, das Subjektive und das Objektive, oder Subjekt und Objekt, sollen doch sein, wirklich sein, das heißt aber in der einen, ihrem ganzen Sinne nach nur ein- zigen Wirklichkeit zusammenstehen und nur in ihr sich scheiden und einander gegenübertreten. So sehr aber hatte sich die Philosophie lange Zeit (besonders durch Kant irre- geleitet, aber indem man, wie ich glaube, diesen selbst miß- verstand) in diese gewiß sehr tiefgreifende, wie man meinte, letztfundamentale Spaltung verliebt, daß sie die letzte Iden- tität des Seins, welche sie ganz zu übersehen oder weg- zuleugnen doch nicht fertigbrachte, sich nur als nachträg- liche Wiedervereinigung oder Ausgleichung („Synthese“) dieses Urgesetzes zu denken wußte, als Rückgang in den Punkt der Indifferenz; als sei das Ursprüngliche nicht die gegen- satzlose Einheit, sondern der Gegensatz, dieser Gegensatz. So war es aber weder bei Heraklit und Plato noch, wie ich glaube, bei Kant gemeint, sondern ganz so, wie schon Heraklit (oder Plato in seinem Namen) sagt: daß das in sich