20 Kap. I. § 10. so ergibt sich daraus die große Folgerung, daß der ganze mittlere Bereich, der Bereich der Notwende, der Bereich der Differenzierung, der immer weitergehenden Entwicklung ins Unendliche hinaus, eben Wirklichkeit nicht erreicht. Denn es ist der Bereich des Widerspruchs. Von Dasein mag da geredet werden, von Existenz, was ja wörtlich ,,Heraustreten“ bedeutet, heraus eben aus der überend- lichem Einheit in die endliche, endlos nur endliche Man- nigfaltigkeit eben des Da- und nicht Dort-, Jetzt- und nicht Dann-Seins. Oder allenfalls von Tatsächlichkeit; obgleich auch die echte Tat und die echte Sache (wie wir schon jetzt voraussehen, künftig näher zu betrachten haben werden) hier eigentlich nicht einheimisch ist. Aber aller- dings das nur Faktische, bloß Geschehene und weiter Geschehende hat hier seine Stelle, und das pflegt unter „Tat- sache“ verstanden zu werden. Indessen tut man besser, von „Wirklichkeit“ des Widerspruchs nicht zu reden, denn Wirk- lichkeit besagt unbedingt Ja-Sein und ist mit Widerspruch unverträglich. In der Wirklichkeit steht freilich alles, auch die Möglichkeit und die Notwendigkeit; also auch der Wider- spruch, der mit diesen beiden ja unlöslich verquickt ist; der Widerspruch ebensowohl wie seine Überwindung; das Nein wie das Ja, Mannigfaltiges wie Einheit, der Streit wie der Ausgleich. Aber sie selbst, die Wirklichkeit, ist über dem allen, sie verdankt dem allen nichts, sondern jenes alles wird zuletzt ihr verdankt. Untriftig erweist es sich damit auch von dieser Seite, Wirklichkeit zwischen Mögüchkeit und Notwendigkeit in die Mitte zu stellen (wie Kant tut). Sondern Möglichkeit und Notwendigkeit stehen, als Auch-nicht-sein-können und Nicht-auch-nicht-sein-können unmittelbar gegeneinander und damit engstens zusammen; sie haben nichts zwischen sich; Wirklichkeit aber liegt oberhalb alles bloßen Könnens. Sie ist schlechthin über aller Bedingtheit, aller bloß bedingten