30 Mythus und Kultur E. Wenn nun nun den metaphysischen Sinn einer solchen inneren und äußeren Potenzierung eines Sondergebietes zur normgebenden Größe und zum Re- gulativ für eine ganze geschichtliche Periode zu er- fassen und zu deuten sucht, so erhellt unschwer, daß sich in dem Prozeß dieser Wertsteigerung die Schöp- fung einer Weltanschauung und die Gewinnung eines Weltbildes vollziehen. Es kann sich dabei in dem einen Falle um eine mehr religiös, im anderen um eine mehr wissenschaftlich-rationalistisch, vielleicht speziell na- turwissenschaftlich geartete Weltanschauung handeln. Wesen und Sinn dieses Prozesses aber, von dessen Verlauf und Gelingen fast ausnahmslos das Schicksal seiner ganzen Zeit und aller in dieser tätigen Ge- schlechter abhängt, bestehen nun eben in der Er- reichung und in der Konstruktion einer Absolutheit, sei es, daß es die-' der Religion, sei es, daß es die der Wissenschaft oder der Kunst oder der Philosophie ist. Dadurch wird inmitten des geschichtlichen Gewirres und seiner gleichmacherisch-empirischen Tendenz ein intelligibler Halt und Maßstab aufgerichtet, d. h. der Weg zur Unbedingtheit aufgewiesen, angebahnt oder unter Umständen auch schon beschriften. Die Bildung einer Weltanschauung besitzt ihre wohl wichtigste inhaltliche Möglichkeit und Voraussetzung in der An- knüpfung an ein besonderes Wertgebiet, das nun die sowohl in intensiver als in extensiver Beziehung denk- bar größte Ausweitung und Stärkung erfährt. So z. B. hat die naturalistisch-kosmologische Weltan- schauung ihre Voraussetzung und Grundlage zum Hauptteil in der Naturwissenschaft und Naturphilo- sophie. Für den Platonismus stellt dagegen die Mathematik eine der wesentlichen grundlegenden Funktionen dar. Diejenige Weltanschauung, die wir