Die allgemeine Bedeutung des Mythus 17 ihn aus dem Bedürfnis heraus, die ihnen vorschwe- bende Kulturidee zur geschichtlichen Wirklichkeit zu erheben und ihre geschichtliche Möglichkeit darzu- tun.------- B. Der tiefste Sinn und die ideelle Verwurzelung des Mythus beruhen auf dem Streben nach einer idealen Ergänzung und Vollendung unseres Wesens und Schicksals. Kein Mensch, abgesehen von demjenigen, dem alle Spannkraft, alle Gläubigkeit, alle Fähigkeit zu einer konstruktiven Deutung der geschichtlichen Welt abhanden gekommen ist, vermag auf die Dauer die Einspannung in den Umkreis des Bloß-Sachlichen zu ertragen und sich an der konkreten Gegenständlich- keit des ihn umgebenden Lebenszusammenhanges ge- nügen zu lassen. Denn wir wollen für unser Dasein nicht nur äußere Fülle und Abwechslung, sondern auch innere Tiefe, nicht nur die Form des Gesetzes, sondern auch sinnhafte Begründetheit und Endgültig- keit erreichen. Wir wollen in ihm nicht nur Wechsel, sondern auch Gehalt, nicht nur Notwendigkeit, sondern in allem Ablauf und Tun auch Wert. Wir hegen dar- nach deshalb Verlangen, weil wir immer auch des „Gegenteils“ bedürftig und begierig sind, weil wir nur in der Verbindung von Relativität und Absolutheit, nur in der Synthese des Empirisch-Diesseitigen mit seinem symbolhaften Anschluß an ein Unbedingtes, ganz gleich wie dieses aufgefaßt, ausgedeutet, aner- kannt werden mag, das Ganze des Lebens erblicken und weil wir nur in einem solchen Ganzen überhaupt des Lebens froh und gewiß werden können. Die ewige Dialektik der Kultur prägt sich in der rastlosen, syn- thetisch-antithetischen Verwebung von Notwendig- keit und Freiheit, Erscheinung und Idee, Symbol und Liebert, Mythus und Kultur. 2