stimmt oder nicht. Wer aber fragt, warum denn die- jenige Idee voransteht, die sich auf die nachfolgenden bezieht, der fragt mehr, als worauf die Einleitung ant- worten kann: er studiere das System selbst. Von den historischen Vergleichungen, die sich hier dar- bieten, ist die mit Platons Erklärung der vier Kardinal- tugenden (im 4. B. der Republik) schon im ersten Kapitel der prakt. Philosophie angedeutet. Die ooq>ia ist die Be- urteilung, ävögela und aoi(pQoavvr] zusammen die Be- schaffenheit des Willens, öixaioarjvri die Richtigkeit des ganzen Verhältnisses. — Adam Smith’s unparteiischer Zuschauer ist eigentlich die Beurteilung, nur nicht rein gedacht, sondern vermengt mit sympathetischen Ge- fühlen. Kants Allgemeinheit der Gesetzgebung und gänzliche Abweisung aller materialen Triebfedern, kann gedeutet werden auf die scharfe und richtige Forderung, daß die beiden Glieder des hier nachgewiesenen Verhält- nisses völlig getrennt, durchaus nicht zusammenfließend, gedacht werden müssen. Die Beurteilung soll unbe- stochen sein, nichts von den Triebfedern des Willens in sich aufnehmen. Wer hiergegen fehlt, der bildet die Idee nicht rein aus, und bekömmt nur eine schwankende Grundlage für die praktische Philosophie. § 91. Das zweite sittliche Verhältnis ist ein formales ; es entsteht, indem ein mannigfaltiges Wollen nach Größenbegriffen verglichen wird. Diese Größenbegriffe sind: Intension, Extension (welches letztere hier soviel bedeutet als Mannigfaltigkeit der von dem Wollen um- faßten Gegenstände), und Konzentration des mannig- faltigen Wollens zu einer Gesamtwirkung oder die aus der Extension von neuem entspringende Intension. Durch- gängig gefällt hier das Größere neben dem Kleineren; eine Art der Beurteilung, welche sich im ganzen Gebiete der Ästhetik wiederfindet. Ein absoluter Maßstab, wonach sich der Beifall oder das entgegenstehende Mißfallen richten könnte, ist nirgends vorhanden. Allein das in der Vergleichung vorkommende Größere dient dem Kleineren zum Maße, wohin es gelangen müsse, um nicht zu mißfallen; und insofern kann man den hervorgehenden Musterbegriff, die Idee der Vollkommenheit nennen. Das Wort Vollkommenheit erhält hier einen bestimmten und vermöge eines ästhetischen Urteils gültigen Sinn, während es gemeinhin die Hülle ist, worin sich die Un- 212