davon eingenommen ist, wie wird er der Anstrengung widerstehen und der Gefahr und der Armut und so vielen Schrecknissen, die das Menschenleben umschwirren ? Wie wird er den Anblick des Todes, wie den des Schmerzes aushalten? Wie Wetter und Erdbeben und die Scharen so heftiger Feinde, wenn er sich von einem so weichlichen Gegner übermannen läßt ? Was das Vergnügen ihm anrät, wird er tun. Siehst du nicht, wieviel es ihm anraten wird ? — „Es wird,“ sagst du, „keine unehrbaren Zumutungen machen, weil es mit der Tugend gesellt ist." Nun, da haben wir’s wieder, was das für ein höchstes Gut ist, das eine Wache bedarf, damit es ein Gut ist. Wie wird aber die Tugend eine Herrschaft über das Vergnügen aus- üben, wenn sie demselben nachgeht, da ja das Nachgehen Sache des Gehorchenden ist, das Lenken Sache des Ge- bieters ? Ihr stellt hinten an, was die Herrschaft führt. Ein treffliches Amt hat aber bei euch die Tugend, daß sie das Vergnügen erst kosten muß! Nun es wird sich zeigen, ob bei denen, die sie so schmählich behandeln, noch Tugend ist, die ja ihren Namen nicht mehr führen kann, wenn sie ihre Stelle verloren gegeben hat. — In- dessen will ich dir, worauf es ja eigentlich ankommt, viele zeigen, die dem Vergnügen im Schoß sitzen, an die das Glück alle seine Gaben verschwendet hat, und von denen du eingestehen mußt, daß sie schlechte Menschen sind. Sieh einen Nomentanus und Apicius, die der Länder und Meere Güter, wie sie es nennen, zusammenjagen und auf ihrer Tafel die Tiere aller Zonen mustern. Siehe die Nämlichen, wie sie auf ihrem Rosenlager abwarten, bis es Zeit ist für die Garküche; ihr Ohr weiden sie an den Tönen der Gesänge, ihr Auge an Schauspielen, ihren Gaumen an wohlschmeckenden Dingen, Mit sanften, linden Wärme- mitteln wird über den ganzen Körper ein Reiz verbreitet, und damit zugleich die Nase etwas zu tun habe, so wird der Ort selbst, wo man der Üppigkeit opfert, mit mancher- lei Wohlgerüchen angefüllt. Von diesen mußt du doch sagen, sie leben im Vergnügen; und doch kann ihnen nicht wohl sein, weil es kein Gut ist, dessen sie sich freuen. 46