114 Zur Lehre vom Gemüt. empfindung, dieses besondere Gegenständliche jedes Seelen- augenblickes, nicht dem „Gefühl“ und der Stimmung selbst zu eigen seinläßt und darum nicht zu dem Gemütszustand als solchem gerechnet wissen will. Ist indessen erkannt, daß kein „Ge- fühl“ und keine Stimmung dieses Gegenständlichen, das wir Körperempfindung nennen, entbehrt, so wird man auch zu- gestehen, von wie großer Bedeutung der jedesmalige Leibes- zustand — das sogenannte „körperliche Befinden“ — für den Gemütszustand der Seele sei. Es wird uns aber dann auch nicht Wunder nehmen, daß die Tatsache des den Gemütszustand jederzeit bedingenden Leibeszustandes viel mehr bei der Stimmung, als beim „Gefühl“ in die Augen springt; ist doch die durch den Leibeszustand bedingte jedesmalige Körperempfindung in der Stimmung das „maßgebende“ Gegenständliche, während sie im „Gefühl“ sich nur als „begleitendes“ Gegenständliches geltend macht. Wir sagen daher mit Recht, daß die Stimmung ganz besonders von dem „körperlichen Befinden“ abhängig sei, und wir verstehen es, wenn man geneigt ist, den Leibeszustand sogar für die einzige besondere Bedingung der Stimmung zu halten. Wie aber dies letzte zu weit gegangen heißt in der Bewertung des Leibeszustandes für die Stimmung, so wäre andererseits diesem wieder zu wenig zugeteilt, wenn man ihn als Bedingendes nur auf die Stimmung beschränken und das „Gefühl“ durch ihn gar nicht bestimmt wissen wollte. Nehmen wir darum das Wort „Gemüt“ als den zusammen- fassenden Ausdruck alles dessen, was die besondere Bedingung des Gemütszustandes der Seele, also insbesondere der Be- stimmtheitsbesonderheiten, die wir „Gefühl“ und Stimmung nennen, bildet, so haben wir, wenn wir von dem Gemüt eines Menschen reden, sowohl seine Seele als seinen Leib, sowohl das Bewußtsein als auch den Körper ins Auge zu fassen. Aber entsprechend dem Umstande, daß die durch den Leibes- zustand („das körperliche Befinden“) gewirkte „Körper- empfindung“ in dem „Gefühl“ nur das „begleitende“, in der Stimmung dagegen das „maßgebende“ Gegen- ständliche ist, steht uns in dem Gemütszustand, den das „Ge- fühl“ kennzeichnet, der Leibeszustand im Hintergrund, in dem