Zur Lehre vom Gemüt. 113 Bewußtsein als gegenständliches, als „Geist“, erfahren hat, bedingend hinzu. Was für ein „Gemüt“ das einzelne Bewußt¬ sein besitzt, hängt also unzweifelhaft zu einem guten Teil von seinem „Geiste“ ab, und insofern ein Bewußtsein in seinem „Geiste“ sich ändern und entwickeln kann, also im besonderen eine „Geistesbildung“ für dieses Einzelwesen möglich ist, so steht damit auch fest, daß eine Veränderung des Bewußtseins in Ansehung seines Gemüts und im besonderen auch eine „Gemütsbildung“ möglich ist. Für den einzelnen Gemütszustand kommt aber als eine besondere im Bewußtsein gelegene Bedingung nicht bloß die besondere Geistesentwicklung in Betracht, sondern auch die besondere Entwicklung, die das Gemüt des Individuums bis dahin erfahren hat. Es ist darum von nicht zu unter¬ schätzender Bedeutung für das Gemütsleben des Einzelnen, welche besonderen „Gefühle“ und Stimmungen ihn bisher er¬ füllten, mit welchem besonderen Gegenständlichen die Gefühle der Lust und der Unlust zusammen auftraten. So schaffen auch die einzelnen Gemütszustände, die ja das „Geistige“ in sich schließen, an der Gemütsentwicklung des Bewußtseins, die ihrerseits wiederum eine besondere Bedingung kommender Gemütszustände bildet. Aber mit der besonderen Geistesentwicklung und dazu der besonderen Gemütsentwicklung sind nicht schon alle be¬ sonderen Bedingungen für das Gemütsleben, das in „Ge¬ fühlen“ und Stimmungen sich darstellt, aufgezählt, wenn auch dessen seelische Bedingungen damit erschöpft sein werden. Wir wissen, daß für jeden Bewußtseinsaugenblick, was seine Besonderung betrifft, nicht nur das Bewußtsein selbst in der Besonderung seines vorhergehenden Augenblickes, sondern auch die Beschaffenheit des mit dem Bewußtsein in stetiger Wirkenseinheit verknüpften Leibes bedingend ist. Auch für den Gemütszustand ist der Leibeszustand darum von großer Be¬ deutung und vor allem für dasjenige Gegenständliche des¬ selben, das beim „Gefühl“ das „begleitende“, bei der Stimmung das „maßgebende“ Gegenständliche ist: die Körperempfindung (Organempfindung, Vitalempfindung). Hiergegen wird nur Einsprache erheben, wer die Körper- Behmke, Gemüt. 8