82 Zar Lehre vom Gemüt. als solche schlechtweg „charakterisiert“ sein soll, erhielte dann für uns auch einen Sinn. Er würde nämlich nichts anderes bedeuten, als das eine einfache Gefühl (Lust oder Unlust) der Stimmung, und selbst das Wort Nahlowskys, daß in der Stimmung „der gemeinsame Grundton der Einzelgefühle“ ent- halten sei, könnte von uns aufgenommen werden in der klareren Fassung, daß in der Stimmung das von allen Einzelempfindungen und Vorstellungen zusammen bedingte, in diesem Sinn ihnen also gemeinsam verbundene Gefühl (der „Grundton“) enthalten sei. Diese Gemeinsamkeit des Gefühls (Lust oder Unlust) für das verschiedene Gegenständliche des Bewußtseinsaugenblickes hat aber, wie wir wissen, nicht nur die Stimmung, sondern eben- sowohl das „Gefühl“ ausnahmslos aufzuweisen; sie könnte also auch nicht ein Unterscheidungsmerkmal der Stimmung gegen- über dem „Gefühle“ sein. Und sehen wir recht hin, so will auch Nahlowsky „den gemeinsamen Grundton“ nicht als Unter- scheidungsmerkmal gefaßt wissen, denn die Verschiedenheit sucht er augenscheinlich darin, daß gegenüber dem „Gefühl“ (= „Sondergefühl“) die Stimmung sich durch das „Dunkle“ und „Vage“ auszeichne. Damit weist er aber, wie wir so- eben entwickelten, geradezu auf das Gegenständliche in Stimmung und „Gefühl“ als dasjenige hin, in dem dieser beiden Verschiedenheit sich zeige: dies findet noch seine besondere Bestätigung durch die Zergliederung der Stimmung, die Nah- lowsky selbst gibt. Er führt nämlich die Stimmung auf dreierlei zurück: „1. Zuerst klingt schon die Stimmung des Nervensystems und nicht minder der Grundton der Vital- empfindung (welche letztere sich aus einer Menge kleiner Reize, die aus allen Provinzen des Leibes zu den Zentralorganen hinleiten, zusammensetzt) in das Gemütsleben hinüber und ruft auch in letzterem einen analogen Grundton hervor; 2. ein weiteres Moment, wodurch die Stimmung getragen ist, bildet eine Menge halbentwickelter Reproduktionen, welche teils durch Nervenstimmung und Gemeinempfindung angeregt, teils freisteigend durch das vielfach verzweigte Ge- webe der Vorstellungen hindurchzucken, ohne daß ira Gedränge eine bestimmte Reihe sich vollständig und entschieden zu