Zur Lehre vom Gemüt. 81 vager Einzelgefühle“ müssen wir daher auch ohne weiteres für einen Irrtum erklären; dasselbe aber muß, selbst wenn wir auch die Möglichkeit eines „Komplexes vager Einzel- gefühle“ einräumen wollten, von der anderen Behauptung, daß in diesem „Komplexe“ das „Spezifische der Einzelgefühle verwischt“ sei, erklärt werden. Nehmen wir nämlich Nah- lowsky beim Wort, dann behauptet er, daß mehrere Einzel- gefühle in der Stimmung einen Komplex bilden und zugleich behauptet er, daß sie, diese Einzelgefühle, in derselben Stimmung doch nicht da seien: denn wenn das „Spezifische der Einzel- gefühle verwischt“ d. h. nicht mehr da ist, dann sind auch sie zweifellos selber nicht mehr da; und ist andererseits doch die Stimmung, wie Nahlowsky meint, ein „Gefühl“, so ist eben ein anderes „Gefühl“, als jener „Komplex von Einzelgefühlen“, an ihrer Stelle da. Will Nahlowsky aber mit dem Wort „das Spezifische ist verwischt“ nur den „vagen“ Charakter der „Einzelgefühle“ erläutern, so geht uns daraus hervor, daß er tatsächlich garnicht das „Gefühl“ als solches d. i. die aus dem Zuständlichen und dem Gegenständlichen bestehende Bestimmt- heitsbesonderheit, und auch nicht etwra insbesondere das Ge- fühl d. i. die zuständliche Bestimmtheitsbesonderheit des Bewußtseins, sondern nur das Gegenständliche im „Gefühl“ im Auge haben kann und nur dieses trifft. Denn nur auf das Gegenständliche kann überhaupt die Bezeichnung „vage“ zutreffen, nicht aber auch auf das Zuständliche; darum kann im eigentlichen Sinne nur von vagen Vorstellungen oder Emp- findungen und dann wohl auch, da doch Gegenständliches immer zum „Gefühl“, diesem besonderen Zusammen von Zuständlichem und Gegenständlichem, gehört, in abgeleitetem Sinne von vagen „Gefühlen“, niemals aber von vagen Gefühlen d. i. von vager Lust oder Unlust geredet werden. Meinte nun Nahlowsky es in unserem Sinne, wenn er von „vagem Einzelgefühl“ spricht, so könnten wir ihm so weit entgegenkommen, daß wir die Stimmung als einen „Komplex“ zwar nicht von „vagen Einzelgefühlen“, wohl aber von vagen Einzelempfindungen und Vorstellungen (vagem Gegenständlichen) sowie einem einfachen Gefühle begreifen. Und der „Grund- ton“, von dem Nahlowsky redet und durch den die Stimmung Rehmke, Gemüt. 6